Umweltstudiengänge an der FH Eberswalde

Aus FORUM der Geoökologie 19 (2), 2008
Von Tillmann K. Buttschardt, Eberswalde

Die Umwandlung der Studiengänge innerhalb des Bolognaprozesses hat nicht nur ihre Auswirkung auf die einzelnen Fächer oder Abschlüsse, sondern das ganze deutsche Hochschulsystem unterliegt einem tief greifenden Wandel: Die blühenden neuen Landschaften der Bildungswelt sind deutlich diverser geworden. Die Zunahme rührt natürlich einmal daher, dass die Abschlussmöglichkeiten via Bachelor und Master praktisch verdoppelt wurden. Zum andern ist aber den Universitäten neue und ernst zu nehmende Konkurrenz entstanden. Die Fachhochschulen bieten mit ihren angewandten Studiengängen eine tatsächliche Alternative oder - und dies scheint wirklich eine Bereicherung zu werden - eine sinnvolle Ergänzung zum Universitätsdiplom. Die Fachhochschule Eberswalde bietet eine ganze Reihe interessanter Aufbaumöglichkeiten für AbsolventInnen eines Geoökologie-Bachelor Studienganges. Der umgekehrte Weg, der Abschluss im Studiengang Landschaftsnutzung und Naturschutz (B.Sc.) und die Fortsetzung des Studiums im M.Sc. Geoökologie dürfte aufgrund der Aufnahmebeschränkungen und der fehlenden Grundlagen derzeit noch Zukunftsmusik sein. Dieser Beitrag stellt die Studienmöglichkeiten an der Fachhochschule Eberswalde vor und diskutiert, inwiefern sich die Universitäten und auch der VGöD auf diese neue Situation einstellen sollten.

Studiengänge an der FH Eberswalde (Studiengänge mit dezidiertem Umweltbezug sind fett gedruckt)
Name Abschluss Interessant für AbsolventInnen mit B.Sc. Geoökologie
Forstwirtschaft B.Sc.  
International Forest Ecosystem Management B.Sc.  
Forest Information Technology M.Sc. Spezialisierung im Tätigkeitsfeld wald- und umweltorientierter Informationstechnologien; englischsprachig; in Zusammenarbeit mit der Warschauer Naturwissenschaftlichen Universität, Polen
Global Change Management M.Sc. Vertiefung und Spezialisierung im Bereich des Ressourcenmanagements und der entwicklungszielorientierten Anpassung wissenschaftlich fundierter Lösungsansätze der Umweltproblematik; englischsprachig; in Zusammenarbeit mit Partnern (PIK, Gemanwatch, Münchner Rück, NABU, GTZ, vTI)
Landschaftsnutzung und Naturschutz B.Sc.  
Ökolandbau und Vermarktung B.Sc.  
Öko-Agrarmanagement M.Sc. Vertiefung im Bereich Landwirtschaft und Management; deutschsprachig; in Kooperation mit der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität in Berlin
Regionalentwicklung und Naturschutz M.Sc. Vertiefung mit konkretem regionalen und auf Europa ausgerichtetem Bezug. Als Spezialisierungen werden Bodenschutz und Umweltbildung angeboten. Bewerbung mit B.Sc. Geoökologie ist möglich.
Nachhaltiges Tourismusmanagement M.A. Vertiefung in einem der wichtigsten globalen Berufsfelder mit einem dynamische Wachstum und immensen Umweltauswirkungen. Die Akkreditierung für den "höheren Dienst" eröffnet allen FH-Absolventen den Zugang zum höheren Dienst; zweisprachig (englisch und deutsch); großes Partnernetzwerk
Holztechnik B.Sc.  
Finanzmanagement B.A.  
Regionalmanagement B.A.  
Unternehmensmanagement M.A.  
Marketing-Management M.A.  


Die FH Eberswalde

Die Barnimer Kreisstadt Eberswalde ist mit ihren knapp 40.000 Einwohnern und der Lage 50 km nördlich von Berlin den meisten nur durch die Pommersche Eisrandlage und das dazugehörige Urstromtal bekannt. Als Locus typicus quartärer Eiszeitforschung besitzt sie jedoch durch eine mustergültig aufgebaute glaziale Serie ein für die Erdwissenschaften hervorragendes didaktisches Umland. Nach der Wende hat die Kommune durch Abwanderung deutlich an Einwohnern verloren, befindet sich jedoch heute wieder im Aufwind - auch wegen des attraktiven Umlandes (Seenreichtum, Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, Nationalpark Unteres Odertal) und die exzellente Verkehrsverbindung nach Berlin (35 Minuten bis Berlin Hauptbahnhof). Nicht nur deshalb steigen die Zahlen der Studierenden, die etwa zu gleichen Teilen aus den alten und den neuen Bundesländern kommen. Auch die Wohnmöglichkeit in Berlin, das attraktive Fächerspektrum und die Gebührenfreiheit im Land Brandenburg tragen dazu bei, dass von Jahr zu Jahr mehr Studierende an der FHE beginnen.

Gegründet wurde die FH 1991 mit dem Ziel einer nachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raumes. Allerdings war dies nicht eine Neugründung, sondern das Aufnehmen und Erweitern einer alten Tradition: Die "Höhere Forstliche Lehranstalt" wurde bereits 1821 als Ausgründung der damaligen Berliner Friedrich-Wilhelm-Universität ins Leben gerufen. Ziel war, eine preußische Forstakademie an einen kleinen Ort in die durch Ausbeutungswirtschaft degradierten Waldungen zu legen und durch gezielte Forschung dem Bemühen um eine nachhaltige Waldwirtschaft Rechnung zu tragen. Stolz sind die Eberswalder zu Recht auf Alfred Möller (Direktor der Akademie 1906-1922), der mit seiner Vision vom Dauerwald als Begründer einer naturgemäßen Waldwirtschaftsidee gilt. Die Institution wurde in den 1960er Jahren von der DDR geschlossen. 1991 kamen dann zu dem klassischen Fachbereich "Wald und Umwelt" die Fachbereiche "Landschaftsnutzung und Naturschutz", "Wirtschaft" und schließlich "Holztechnik" hinzu.

Das Studienangebot

Insgesamt 14 Studiengänge bietet die FH derzeit an (Tabelle 1). Hiervon besitzen acht einen klaren Umweltbezug. Neben dem Studiengang "Landschaftsnutzung und Naturschutz", der sozusagen die der Geoökologie verwandtesten Inhalte aufweist, wurden in den letzten Jahren vor allem im Bereich der ökologisch orientierten Landwirtschaft neue Studienangebote geschaffen.

Im Bachelor-Bereich ist vor allem der Studiengang Landschaftsnutzung und Naturschutz als Alternative zum Studiengang Geoökologie aufzufassen. Allerdings besitzt dieser eine deutlich geringere Durchdringung in den mathematischen, chemischen und physikalischen Grundlagenfächern. Dafür wird von Anfang an ein Anwendungsbezug hergestellt. Viele methodisch orientierte Lehrveranstaltungen in der Bodenkunde, Hydrologie und die biotischen Teilfächer werden vom ersten Semester an angeboten. Sehr stark ist auch die tierökologische Feldausbildung. Der vom selben Fachbereich angebotene Bachelor-Studiengang Ökolandbau und Vermarktung soll Nachwuchskräfte für die großen Betriebe im Osten Deutschlands ausbilden und den wachsenden Bedarf an Betriebsleiter/innen decken, die im Segment des Biolandbaus bei dessen Expansion benötigt werden. Auch hier bringen Partnerbetriebe eine starke Anwendungskomponente in den Ausbildungsgang. Durch seine agrarische Ausrichtung lässt sich dieser Studiengang allerdings nicht mit der Geoökologie vergleichen.

Fachhochschulstudiengänge sind im Allgemeinen deutlich verschulter. Sie verwenden semesterweise Stundenpläne mit straffem Programm. An die Vorlesungszeit schließt sich die Prüfungszeit von mehreren Wochen an. Überschneidungen oder Probleme im Studienablauf sind weitestgehend unbekannt. Sollte dennoch einmal eine Schwierigkeit auftreten, sorgt der/die Semestersprecher/in (mit Hiwi-Vertrag) umgehend für eine Klärung. Eine weitere Praxiskomponente ist das Praktische Studiensemester. Volle sechs Monate lang leisten die Studierenden in einer Einrichtung ihrer Wahl ein Praxissemester ab. Begleitet wird dies durch Lehrveranstaltungen zur Vor- und Nachbereitung.

Master-Studiengänge

Für Absolvent/innen der Geoökologie könnten vor allem die Angebote im Master-Bereich eine sinnvolle Alternative darstellen. Die Fachhochschule Eberswalde hat hier bewusst neue Akzente gesetzt, um nicht in den disziplinären Ausbildungskorridoren zu verharren. So versteht sich der Studiengang Regionalentwicklung und Naturschutz nicht als bloße Vertiefung des Bachelorangebotes. Vor dem Hintergrund der föderalen Struktur Deutschlands und auch Europas bildet die Region die Dimension, in welcher nachhaltige Entwicklung stattfinden kann. Dabei wird Regionalentwicklung deutlich weiter gefasst als die Regionalplanung. In der Entwicklung steckt der Ansatz der Prozessgestaltung, -begleitung und -initiation. Hierzu braucht es Fachkräfte, die Kompetenzen im Bereich der Ökologie haben, aber auch über soziale, politische, ökonomische, rechtliche und psychologische Kenntnisse verfügen. Der Studiengang erschließt somit ein Feld, das in den Angeboten der Geoökologie nicht in dieser Form abgedeckt ist.

Der Master-Studiengang "Regionalentwicklung und Naturschutz" ergänzt gewissermaßen das Angebot des nachgenannten Studienganges auf der europäischen Ebene und erschließt das klassische Dreieck der Nachhaltigkeit Wirtschaft-Gesellschaft-Umwelt. Den räumlichen Hintergrund bildet die Ebene der Region. Viele Erkenntnisse deuten darauf hin, dass im Globalisierungsprozess "regionale Identitäten" wieder stärker an Bedeutung gewinnen werden und dass die Lösung vieler Probleme nicht auf kleineren Maßstabsebenen gelingen kann. Für eine Erweiterung der naturwissenschaftlichen Kompetenzen der Absolventen des B.Sc. Geoökologie ist das durchaus ein attraktives Angebot. In den ersten beiden Semestern werden vor allem fachwissenschaftliche Grundlagen und Methoden gelehrt, die dann durch konkrete Projekte in Teamarbeit im dritten Semester ergänzt werden.

Andere Beispiele dieser Art sind die forstwissenschaftlich ausgerichteten englischsprachigen Masterstudiengänge Global Change Management und Forest Information Technology. Der erstgenannte Studiengang setzt auf neue Lehrformate. So ist im 3. Semester ein eigenständiges Forschungsprojekt an der Hochschule bzw. an den Partnerinstitutionen im In- und Ausland angesiedelt, das in der Masterarbeit fortgesetzt werden kann. Im Abschlusssemester soll ein integrales Modul "Designing climate change mitigation projects" neben der Master-Arbeit angefertigt werden. Dies zeigt, dass auch an Fachhochschulen forschungsorientiert studiert werden kann. Der Studienführer enthält denn auch den selbstbewussten Hinweis: "Der Abschluss Master of Science qualifiziert zur Promotion an einer Universität."

Schließlich sei noch auf den Studiengang Nachhaltiges Tourismusmanagement (B.A.) hingewiesen, ein Angebot, das in dieser Form in Deutschland wohl einzigartig ist. Getragen wird der Studiengang von den Fachbereichen Landschaftsnutzung und Naturschutz sowie Wirtschaft. Eine große Zahl an Praxispartnern macht den Studiengang praxisnah. Im Mittelpunkt der Ausbildung steht die strategische und unternehmerische Umsetzung des Nachhaltigkeitsgedankens auf dem Gebiet des Tourismus. Daher werden landschaftsbezogene, planerische und wirtschaftliche Grundlagen unterrichtet, die dann in Projekten mit regionalen, nationalen und internationalen Tourismusakteuren umgesetzt werden.

FH-Studiengänge: Konkurrenz oder Ergänzung?

Der Bologna-Prozess hat eine Tür aufgestoßen, und vor uns liegen Möglichkeiten, die das althergebrachte System grundlegend verändern werden. Durch die gestuften Studiengänge werden - auch wenn die Menschen derzeit noch in der Tradition verharren - deutlich vielfältigere Lernbiographien verwirklicht werden. Der B.Sc. Geoökologie bietet ein gutes und solides Fundament für vielfältige Weiterentwicklungen in ganz unterschiedliche Richtungen. Da sind zum einen die naturwissenschaftlich Orientierten, die auch in dieser Richtung weiterhin verbleiben werden. Hierzu bieten sich inzwischen breite Möglichkeiten - auch abseits der Geoökologie. Doch auch alle nicht-naturwissenschaftlichen Bereiche, die interdisziplinär die aktuellen Umweltthematiken aufgreifen, sind durch die Umstellung nicht nur interessant, sondern auch studierbar geworden.

Neben der Verbreiterung des Fächerspektrums in Richtung auf sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Inhalte findet die Erweiterung der Hochschullandschaft statt. Hier werden künftig stärker die Hochschulen - wie sich viele Fachhochschulen inzwischen nennen - als Konkurrenten um Studierende den Universitäten gegenübertreten. Für viele Studienanwärter könnte die Praxisnähe, der Verbund mit den Institutionen der Praxis, die effizientere Organisation der Studienabläufe oder die Nähe zu den DozentInnen der Fachhochschulen ausschlaggebend sein. So ist derzeit bereits ablesbar, dass auch für den VGöD diskutiert werden muss, inwiefern die "reine Geoökologie" als gemeinsame Basis der Mitgliedschaft ausreichen kann. Vielmehr gilt es anzuerkennen, dass die Fachhochschulen mit der Gestaltung ihrer Studienprogramme, der Umstellung auf das B.Sc./M.Sc.-System und die Akkreditierung häufig schon sehr viel weiter sind als die Universitäten. Bleibt abzuwarten, wann die Bastion des Promotionsrechtes gestürmt werden wird. In den Startlöchern sitzen die Hochschulen schon.

Prof. Dr. Tillmann K. Buttschardt
Fachgebiet Landschaftskunde
Fachhochschule Eberswalde
Friedrich-Ebert-Straße 28
16225 Eberswalde
tbuttschardt at fh-eberswalde.de

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Letzte Änderung: 09.02.2010