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Ausgabe 2015/2

Gesamtausgabe 2/2015 zum Herunterladen nur für Mitglieder

Inhalt

Ausgabe 2015/2
Schwerpunkt: Vegetationsökologie und Biodiversitätsforschung
  • Einführung: Neue Möglichkeiten in Karlsruhe (Sebastian Schmidtlein)
  • Auswirkungen des Klimawandels auf Wälder (Klara Dolos und Ulrike Märkel)
  • Von Flughunden und Drohnen (Fabian Fassnacht und Teja Kattenborn)
  • Biodiversitätsverlust mindert Ökosystemleistungen (Sophia Leimer, Peter Escher und Wolfgang Wilcke)
VGöD-Intern
  • Bericht von der Klausurtagung des VGöD
  • BDG und VGöD – Doppelmitgliedschaft angestrebt
  • Einladung zur Jahreshauptversammlung in Braunschweig
  • Einladung zur Jahrestagung zum Thema „Anthropozän“
  • Neue Lokalreferentin in Braunschweig
  • Interview mit einer Teilnehmerin des Mentoring-Programms
Geoökologie
  • Master-Studierende erzählen / GeoökologInnen erzählen
  • Die große Bibliothek tropischer Pflanzen
  • GeoökologInnen erzählen
  • Kurzmitteilungen
  • Berufsfelder
Neues aus Forschung und Praxis
  • Nachhaltiges Abwasser- und Abfallmanagement in Nicaragua
  • Ökosystemleistungen und Biodiversität – Entwicklung von Bewertungsmethoden

Einführung: Neue Möglichkeiten in Karlsruhe

Von Sebastian Schmidtlein, Karlsruhe

Die Karlsruher Geoökologie hat in den letzten Jahren einigen Wandel erfahren. Das betrifft sowohl die Ausrichtung der Forschung als auch den Aufbau des Studiums. Was sich daraus ergibt, sei an dieser Stelle kurz berichtet. Weitere Informationen darüber geben die nachfolgenden Artikel des Schwerpunktes.

In der Karlsruher Geoökologie wurden drei Professuren neu besetzt, zwei weitere wer- den gerade verhandelt und der Aufbau des Studiums wurde neu gestaltet. Gleichzeitig entstand mit der Gründung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) ein Umfeld, das auch für die GeoökologInnen viel veränderte. Ein Blick auf die jüngeren Entwicklungen lohnt sich also. Das heutige Karlsruher Institut für Geographie und Geoökologie (IFGG, www.ifgg.kit.edu) wurde 1953 von dem Vegetationsgeographen Josef Schmithüsen als Geographisches Institut gegründet. Im Jahr 1986 wurde das Bayreuther Pilotprojekt Geoökologie aufgegriffen. Damit war Karlsruhe der zweite universitäre Standort dieser Disziplin in Deutschland. Die Serie von Neubesetzungen begann 2012 mit der Berufung von Almut Arneth auf eine Professur für Pflanze-Atmosphäre-Interaktionen. Im Jahr 2013 kam ich ans IFGG (Biogeographie und Vegetationskunde), gefolgt 2014 von Wolfgang Wilcke (Bodenkunde). Was noch aussteht, ist die Besetzung einer Professur für Fluss- und Auenökologie, eine zusätzliche Professur zum Thema Landnutzungswandel-Klimawandel-Interaktionen ist vorgesehen. Mehr dazu später.

Forschung am IFGG

Die Arbeitsgruppe für Biogeographie und Vegetationsökologie forscht vor allem im Bereich Community Ecology und setzt dafür Ferner- kundung und Modellierungstechniken ein. Projekte befassen sich beispielsweise mit den Auswirkungen von biologischen Invasionen auf Ökosystemfunktionen und mit der klimatischen Standorteignung von Waldbäumen. Diese Themen beleuchtet der Beitrag von Klara Dolos ab Seite 12. In Fernerkundungsprojekten werden zum Beispiel Verfahren für Biotopkartierung und -monitoring entwickelt oder die Potenziale von unbemannten Flugsystemen für die Umweltbeobachtung ermittelt. Über die Erfahrungen aus solchen Vorhaben berichtet Fabian Fassnacht in diesem Schwerpunkt ab Seite 15. In anderen angewandten Arbeiten geht es um die mit Fernerkundung gestützte Erfassung der Futterqualität von Grasländern für das Weide- management in Westafrika.

Die Arbeitsgruppe für Bodenkunde befasst sich mit biogeochemischen Prozessen in Ökosyste- men und erforscht, wie diese auf veränderte Umweltbedingungen reagieren. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den Nährstoffkreisläufen (unter anderem C, N, Ca, K, Mg) sowie auf Schadstoffen im Boden und in Ökosystemen. Methodische Schwerpunkte liegen beispielsweise in der Kombination von Messungen von Elementflüssen mit Analysen von Stabilisotopenverhältnissen. Die Gruppe ist unter anderem in den Biodiversitätsexploratorien und im Jena-Experiment aktiv, das sich mit funktioneller Biodiversitätsforschung auseinander setzt. Ergebnisse dieser Forschung stellt Wolfgang Wilcke ab Seite 19 in dieser FORUM-Ausgabe dar.

Die Arbeitsgruppe für Fluss- und Auenökologie steht in der Nachfolge des ehemaligen WWF-Auen-Instituts in Rastatt. Dieses Institut wurde, nach einer Übergangsphase mit gemischter Fi- nanzierung durch den World Wide Fund for Nature (WWF) und das KIT, 2015 ganz dem KIT angeschlossen und dem IFGG zugeordnet (Abb. 1). Die Schwerpunkte lagen und liegen im Bereich der Auenentwicklung und Renaturierung mit Fokus auf den Wechselwirkungen zwischen menschlichem Einfluss, Ökosystemen und Hochwasserschutz. Aktuelle Projekte der Arbeitsgruppe befassen sich zum Beispiel mit dem Auenbiotopverbund, mit der ökologisch optimierten Wasserkraftnutzung und mit der Entwicklung der Biodiversität von Flussauen.

Das KIT entstand vor fünf Jahren aus dem Zusammenschluss der Universität Karlsruhe (TH) mit dem Forschungs- zentrum Karlsruhe. Es ist damit gleich- zeitig Landesuniversität und nationales Forschungszentrum in der Helmholtz- Gemeinschaft. Das erleichtert gemeinsame Berufungen, zu denen auch jene von Almut Arneth zählt. Sie forscht am KIT-„Campus Alpin" in Garmisch-Partenkirchen zu terrestrischen, biogeochemischen Kreisläufen und lehrt in Karlsruhe. Eine nach gleichem Modell geplante Professur für Landnutzungswandel-Klimawandel-Interaktionen ist derzeit, wie die Professur für Fluss- und Auenökologie, in Verhandlung.

Die genannten Besetzungen bedeuten eine Stärkung der Ökosystemforschung in Karlsruhe. Sie treffen auf ein Umfeld voll relevanter Anknüpfungspunkte: Etwa 600 WissenschaftlerInnen aus 33 Instituten forschen am KIT zum Klima- und Umweltwandel (www.klima-umwelt.kit.edu). Neben Ökosystemen geht es dabei um Atmo- sphäre und Klima, Wasser, Georessour- cen, Urbane Systeme und Stoffstrom- management sowie um Naturgefahren und Risikomanagement. Ein solches Umfeld ist nicht nur für jene interessant, die sich nicht zwischen dem wärmeverwöhnten Oberrhein (IFGG) und den Alpen („Campus Alpin", Abb. 2) entscheiden möchten. Die Lehre findet jedoch überwiegend in Karlsruhe statt. Das KIT bietet auch in den Bereichen Umweltschutz und Umweltmonitoring Zugang zu einem breiten Spektrum neuer Technologien. Beispiele hierfür sind die Ausstattungen in den Bereichen Fernerkundung oder Isotopenanalytik am IFGG selbst oder der Betrieb der Tereno-Sites für Umweltbeobachtung an der Ammer.

Neue Möglichkeiten in den Geoökologie-Studiengängen

Die Zeit des Umbruchs fiel praktischer- weise mit dem Zwang zur Akkreditierung der Karlsruher Geoökologiestudiengänge zusammen. Das erneuerte Studium wird erstmals im Winter 2015 / 2016 anrollen. Im Bachelor bleibt die für die Geoökologie typische mathematisch-naturwissenschaftliche Grundausbildung bestehen. Parallel dazu werden zwei Linien aufeinander aufbauender Kurse angeboten. Eine vermittelt wissenschaftliche Arbeitsweisen wie die Planung wissenschaftlicher Studien, wissenschaftliches Schreiben oder den Umgang mit Werkzeugen, beispiels- weise der freien Softwareumgebung für statistisches Rechnen R, GIS und Fernerkundung. Die zweite Kursfolge zielt auf die fachspezifischen Grundlagen, wobei auf gemeinsamen Flächen Ökosysteme aus verschiedenen Blickwin- keln behandelt werden. Die dabei gesammelten Daten und Erkenntnisse werden gegen Ende des Studiums in einer eigenen Veranstaltung zusammengeführt.

Neben dem IFGG wirken weitere Institute am Studiengang mit. So sind in Biologie, Fernerkundung, Geologie, Hydrologie und Umweltchemie eigene, gut ausgestattete Lehreinheiten beteiligt. Der sozialen Dimension wird in einem eigenen Modul Rechnung getragen, in dem praxisbezogene Veranstaltungen im Bereich Naturschutz- und Regionalplanung mit sozialwissenschaftlichen Inhalten kombiniert werden können. Hier bringen sich auch der Lehrstuhl für Humangeographie am IFGG und das benachbarte Institut für Regionalwissenschaften ein.

Im Masterstudiengang Geoökologie spiegeln sich die naturwissenschaftlichen Forschungsschwerpunkte wider, wobei die Tradition breit gestreuter Wahlmöglichkeiten beibehalten wurde. Im Kernbereich des Masterstudiums können zwei der folgenden drei Richtungen kombiniert werden: Biogeochemie, Terrestrische Ökologie und dem gegenüber die Spezialisierungsoption Fluss- und Auenökologie (Wetland Ecology). Wer auf keine der drei Optionen verzichten möchte, kann auch eine davon als Wahlfach (siehe unten) hinzuwählen. Zu diesen Vertiefungen im Kern des Masterstudiums gehört jeweils ein Forschungsprojekt, das Fragestellungen aus der aktuellen Arbeit der ausrichtenden Forschungsgruppen behandelt. Zudem können zwei von drei methodischen Schwerpunkten gewählt werden, etwa in der Bodenanalytik, in das IfGG integriert. Aus dieser Entwicklung ergibt sich ein neu aufgestellter Studiengang Geoökologie und eine dynamische Umweltforschung mit Schwerpunkten in den Bereichen Vegetationskunde, Fernerkundung der Vegetation, (Boden-)Biogeochemie, Wetland Ecology und Global Change-Forschung. Darüber hinaus kooperiert das IfGG eng mit Instituten aus der breit aufgestellten Wasser- und angewandten Geo-Forschung des KIT, woraus sich für Studierende der Geoökologie wei- tere hervorragende Qualifikations- und Arbeitsmöglichkeiten ergeben. Wer sich auf den neuesten Stand bringen möchte, kann sich auf der IFGG-Homepage unter www.ifgg.kit.edu informieren.

Vegetationsfernerkundung und -modellierung oder im Bereich Biotopmanagement.
Das frühere WWF-Auen-Institut in Rastatt
Das frühere WWF-Auen-Institut in Rastatt

Im Wahlbereich kann aus dem vollen Repertoire des KIT geschöpft werden. Neben technologielastigeren Schwerpunkten wie Urbanem Wassermanagement, Fließgewässerentwicklung, Was- serchemie oder Energiewirtschaft reicht das Spektrum bis hin zu Hydrologie, Meteorologie, Geobotanik oder der vom IFGG zusammen mit dem Institut für Meteorologie und Klimaforschung an- gebotenen Geoökologischen Klimafolgenforschung. Ein Rest der alten Diplomfreiheit wurde in einen freien Wahlbereich gerettet. Hier kann kreativ kombiniert werden. Attraktiv sind dabei unter anderem die Möglichkeiten, die sich aus dem „Europäischen Campus" (EU-COR) ergeben, an dem fünf deutsche, französische und schweizerische Universitäten beteiligt sind: Basel, Frei- burg, Haute-Alsace, Karlsruhe und Straßburg. Studierende des KIT haben an diesen Universitäten Zugang zu Lehre, Bibliotheken und anderen Angeboten, was darüber hinaus eine sehr unkomplizierte Gelegenheit zum Sammeln von Auslandserfahrungen bietet.

Abbildung 2: Die Umweltforschungsstation Schneefernerhaus
Abb. 2: Umweltforschungsstation Schneefernerhaus (Foto: KIT)

GeoökologInnen, die nach ihrer Abschlussarbeit weiterhin forschen möchten, bieten sich verschiedene Möglichkeiten zur Promotion. DoktorandInnen können sich einer der beiden Graduiertenschulen des KIT Zentrums für Klima und Umwelt anschließen. Zum einen gibt es die Graduate School for Climate and Environment (GRACE), zum anderen MICMoR (Mechanisms and Interactions of Climate Change in Mountain Regions). In den beiden von der Helmholtz-Gemeinschaft finanzierten Schulen gibt es die Möglichkeit, sich auf Stipendien zu bewerben. Das IFGG koordiniert innerhalb von GRACE eine Doktorandengruppe, die sich mit der Nutzung von UAS (Unmanned Aerial Systems) in der Umweltbeobachtung befasst. Neben den Graduiertenschulen stehen natürlich die herkömmlichen Wege zur Promotion offen.

Das IfGG wurde gestärkt, indem das ehemalige WWF-Auen-Institut dem IfGG als weitere Professur zugeordnet wurde. Die Ausstattung der vorhande- nen Professuren wurde verbessert und ProfessorInnen aus dem ältesten deutschen Umweltforschungsinstitut – dem heutigen Campus Alpin des KIT – in Garmisch-Partenkirchen.

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