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Forum Ausgaben Details

Ausgabe 2013/3

Mobilität

Von Ulrike Sturm­Hentschel
Menschen sind seit jeher unter­wegs. Die Entwicklung der im­mer schneller werdenden, tech­nisch unterstützten und vor allem motori­sierten Fortbewegung begleitet den Men­schen jedoch erst seit rund 200 Jahren. Dampfantriebe, Elektro­und Verbren­nungsmotoren gehören zu den ersten An­trieben von Schiffen, Zügen und Automobi­len. Personen und Güter konnten durch sie schneller und einfacher transportiert wer­den. Unglaubliches hat sich in diesen 200 Jahren getan.
Heute sind wir mit zahlreichen Nebener­scheinungen und Folgen unserer vielfach motorisierten Mobilität konfrontiert: durch Straßen und Schienen sind wir mit ande­ren Orten auf schnellem Wege verbunden, versiegeln dadurch jedoch einen nicht un­wesentlichen Teil der uns umgebenden Landschaft; öffentlicher Raum ist beson­ders im städtischen Umfeld stark vom Au­toverkehr geprägt.
Aber Rahmenbedingungen ändern sich: Öl geht langsam aber sicher zur Neige, das Klima wandelt sich und stellt unseren Ver­kehrs­Lebensstil in Frage. Auf der anderen Seite verändern sich Einstellungen zum Auto: nicht jede/r der jungen Generatio­nen verlangt noch unbedingt nach einem eigenen Pkw, Smartphones machen das Teilen von Fahrzeugen und ihr Auffinden einfacher möglich, helfen beim Kombinie­ren unterschiedlicher Verkehrsmittel. An­dere Antriebe neben den Verbrennungsmo­toren nehmen mehr Raum ein. Viele Men­schen fordern eine Veränderung der Ge­wichtung des Autos im öffentlichen Raum im Verhältnis zu anderen Mobilitätsformen wie Radfahren, Laufen, Rollern, Skaten oder Gehen. Der ÖPNV spielt vor allem in Großstädten eine wachsende Rolle. Viel Umdenken geschieht, aber noch viel mehr Umdenken ist notwendig, wenn wir mit den uns zur Verfügung stehenden Flächen, (fossilen) Ressourcen, dem Klima und uns selbst nachhaltig umgehen wollen und müssen. Werte verschieben und wandeln sich. Hier spielt Bildung eine wichtige Rolle neben einer Politik, die Weichen stellt und zukunftsfähig denkt. Forschungsergebnisse bilden eine wesentliche Entscheidungsba­sis.
Wir haben für dieses FORUM erstmalig ei­nen „Call for papers“ innerhalb des Ver­bandes durchgeführt. Drei Beiträge konn­ten wir aus den Reihen der Geoökologie gewinnen. Für die Einbettung der Mobilität im Kontext der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) haben wir zusätzlich „externe“ Kolleginnen eingeladen.

Politik bildet den Rahmen
Im ersten Beitrag zeigt Gisela Splett politi­sche Wege in Richtung einer nachhaltigen Mobilität am Beispiel Baden­Württembergs auf. Dort ist sie als Staatssekretärin im Ministerium für Verkehr und Infrastruktur (MVI) und Lärmschutzbeauftragte der Landesregierung tätig.

Bildung hilft Wissen zu reflektieren und Werte zu überdenken
Katja Tebbe und Jutta Steigerwald be­leuchten in ihrem Beitrag ab Seite 17 an­hand von Praxisbeispielen passend zum Jahresthema 2013 der Weltdekade „Bil­dung für nachhaltige Entwicklung" der UN (2005 bis 2014) den Kontext und Bedarf einer zukunftsweisenden Mobilitätsbil­dung.
Mit wissenschaftlichen Grundlagen befassen sich die nachfolgenden zwei Artikel.

Veränderungen im PKW-Markt
Simone Ehrenberger und Ulrike Kugler stellen ab Seite 23 Bewertun­gen von neuen Materialien und Maßnahmen im PKW­Markt vor, insbesondere im Hinblick auf den Klimaschutz.

Nachhaltiger Straßenverkehr
Ob und wie sich Maßnahmen volks­wirtschaftlich im Hinblick auf nach­haltigen Straßenverkehr auswirken, beleuchtet Ulrike Kugler in ihrem Artikel ab Seite 28. Der Beitrag ba­siert auf ihrer Dissertation.
Neben unserem kleinen Einblick in die breite Thematik der Mobilität durch die Artikel in diesem FORUM lädt unter anderem der Zukunftsal­manach (Rezension auf Seite 49) zum Weiterdenken ein. Eine andere Sicht auf das Thema bietet die Aus­stellung „Aufgeladen – Elektromobi­lität zwischen Wunsch und Wirklich­keit“, die sich mit der Vergangen­heit, Gegenwart und Zukunft der Elektromobilität auseinandersetzt (Infos auf S. 50).

Wir wünschen nun eine anregende Lektüre!
Ulrike Sturm­Hentschel
(Dipl.­Geoökologin, Dr. rer. nat.)
Deutsches Museum Verkehrszentrum Am Bavariapark 5 80339 München
Tel.: 089/500806785
u.sturm­hentschel(at)deutsches­museum.de.


Ulrike Sturm­Hentschel studierte von 1998­2004 Geoökologie an der Uni­versität Karlsruhe (heute KIT). Seit März 2013 ist sie als Kuratorin für Schienenverkehr am Deutschen Mu­seum Verkehrszentrum tätig.
FORUM GEOÖKOL. 24 (3), 2013




Inhalt

VGöD-Intern
Rückblick auf die Jahrestagung ............................ 2
Jahressteuerbescheinigung ................................. 3 
GeoökologInnen erzählen .................................... 5
Kurzmitteilungen ................................................ 7
Neues Informationsmaterial des VGöD .................... 8


Schwerpunkt: Mobilität
Einführung
Von Ulrike Sturm­Hent......................................... 10
Zielsetzung nachhaltige Mobilität
Von Gisela Splett ............................................... 12
Bewegt in die Zukunft – Mobilitätsbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung
Von Jutta Steigerwald und Katja Tebbe ................ 17
Entwicklungen im Pkw­Markt aus ökologischer Sicht
Von Simone Ehrenberger und Ulrike Kugler ........... 23
Wie lässt sich der Straßenverkehr in Europa bis 2030 nachhaltiger gestalten?
Von Ulrike Kugler .............................................. 28


Geoökologie    
Hochschulkonferenz ......................................... 33 
Umweltnaturwissenschaftliche Studiengänge neben der Geoökologie 
  Master „Umweltwissenschaften“
  Frankfurt am Main ............................................ 35
  Master „Klima und Umweltwandel“ 
  Mainz ............................................................. 37
Nachrichten ..................................................... 39

Neues aus Forschung und Praxis
Mit dem UN Welternährungsprogramm (WFP) in Laos ...........40
Bitte anschnallen! Bergbau rekultiviert den Brigalow Belt?!.. 43

Forschungseinrichtungen
European Institute for Energy Research (EIFER) ..................... 47
Leibniz­Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). 48

Sonstige Rubriken
Editorial ....................................................................... 1
Impressum ................................................................... 52
Speakers‘ Corner Rezensionen ........................................39
Rezensionen................................................................. 49
Termine ...................................................................... 50
Mitglied werden ............................................................ 4
Vorschau ........................................................... Umschlag

Gesamtausgabe 1/2014 zum Herunterladen nur für Mitglieder

Inhalt

Ausgabe 2017/2
VGöD - Intern
  • Neues aus Forschung und Praxis
  • Rückblick auf die Jahreshauptversammlung
  • Kurzmitteilungen
  • Nutzung der VGöD-Homepage
Schwerpunkt: Jahrestagung 2013 - Energiewende
  • Herausforderung  Energiewende - von Stefan Reuschel
  • Geothermie - von  Dr. Jörg Danzer und Dr. Rainer Klein
  • Solarenergie - von Jörg Sutter
  • Online-Prognosen von Bernd Kratz
  • Regionale Wertschöpfung von Katharina Heinbach
  • Politische Rahmenbedingung von Dr. Markus Groth
  • Exkursionen von Sophie Spille und Arno Buchholz
Geoökologie
  • GeoökologInnen erzählen
  • Masterstudierende berichten - Interview mit Hanna Hartmann
  • Schattenseite der erneuerbaren Energien: Maisanbau in Brandenburg
  • Ermittlung der Schiffsdynamik von   
    Seeschiffen mit Computersimulationen
  • Master „Umweltplanung“  Hannover
  • Schutz der Vogelwelt bei Windparkplanungen
Forschungseinrichtungen
  • Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR)
  • Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
Kolumne
  • Bioenergieregion  Bayreuth: Ziele, Themen, Projekte von Bernd Rothammel

Schwerpunkt: Energiewende

Herausforderung  Energiewende
Energiewende – nicht unbedingt ein Thema, bei dem man den unmittelbaren Bezug zur Geoökologie vermutet. Doch das interdisziplinäre Studium ermöglicht es GeoökologInnen, ihren Beitrag zu diesem aktuellen Thema zu leisten. Viele arbeiten inzwischen in Bereichen, die – direkt oder indirekt, in Forschung oder Praxis – mit der Energiewende zu tun haben. Warum beispielsweise beeinträchtigen Windkraftanlagen den Grundwasserhaushalt und wie kann man mit Kühlhäusern die Nutzung regenerativer Energie fördern? Hier ist es notwendig, einmal mehr „um die Ecke" und fächerübergreifend zu den-
ken.
Von Stefan Reuschel, Kassel

Regenerative Energien und Energiewende sind nun seit langer Zeit vertraute Begriffe. Nicht erst seit
der Reaktorkatastrophe in Fukushima und dem in der Folge ad hoc von der Bundesregierung verkündeten Atomausstieg sind
diese Themen im öffentlichen Bewusstsein angekommen. Gerade in den Wochen vor und nach unserer VGöD-Jahrestagung hat die Diskussion um die Energiewende jedoch noch einmal richtig Fahrt aufgenommen. Die Reform des Erneuerbare Energien- Gesetzes (EEG) zur Senkung hoher Endverbraucher-Stromkosten, welche in starkem Kontrast zu niedrigen Börsenpreisen für elektrische Energie und den Vergünstigungen für Industriebetriebe stehen, Bürgerinitiativen zur Verhinderung von Windkraftanlagen im Umfeld von Siedlungsgebieten, Klimaschutzziele und Emissionszertifikatehandel als (Nicht-) Steuerungsfaktoren für die deutsche Energieerzeugung… Dies sind nur einige der Themen, die Gräben quer durch alle Bevölkerungsschichten und Parteien ziehen. Als wir das Tagungsthema vor gut einem Jahr festlegten, war dessen ungebremste, sogar deutlich zunehmende Aktualität zum Ende des Jahres 2013 noch nicht absehbar. Umso mehr haben wir uns gefreut, eine ganze Reihe von kompetenten ReferentIn- nen unterschiedlicher Fachrichtungen als Vortragende zu
gewinnen. So konnten wir in Bayreuth ein breit gefächertes Programm mit spannenden Vorträgen zu dieser komplexen Thematik bieten, das die fachlichen Herausforderungen, aber auch widersprüchliche Interessenlagen und nicht wenige Absurditäten veranschaulich- te. Um das Themenspektrum zumindest in Ansätzen abzudecken, entschlossen wir uns, elf Vorträge in zwei parallelen Sessions unterzubringen. So konnten sich die Teilnehmenden immer wieder zwischen zwei
interessanten Themen entscheiden. Darüber hinaus blieb viel Raum für Austausch und Diskussion, nicht zuletzt bei den traditionellen Exkursionen am Sonntagvormittag.


In diesem Schwerpunkt möchten wir unseren Mitgliedern nun noch einmal sechs der Vorträge und zwei der Exkursionen zum Nachlesen anbieten:
Bioenergie
Der Diplom-Geoökologe Bernd Rothammel stellt die
Bioenergie-Modellregion Bayreuth vor und zeigt auf, welche positiven Effekte für Arbeitsplätze, Wertschöpfungsketten und die Förderung innovativer Technologien damit verbunden sind.
Geothermie
Dr. Jörg Danzer ist als Diplom-Geoökologe und Geschäftsführer der Firma _boden & grundwasser~
im Consulting-Bereich aktiv. In ihrem Artikel geben Dr. Jörg Danzer und Dr. Rainer Klein einen Überblick über die Geothermie und illustrieren Verfahren zur Dimensionierung sowie die Einsatzmöglichkeiten von Erdwärmesondenanlagen.
Solarenergie
Auf dem Gebiet der Solarenergieerzeugung ist Diplom-Physiker Jörg Sutter mit seiner Firma Energo Solar GmbH tätig. In seinem Artikel behandelt er, welche Rahmenbedingungen derzeit die Solarstromerzeugung steuern, welche Perspektiven diese Form der Energieerzeugung hat und warum Solarenergie auch in Deutschland ein Zukunftsmodell ist.
Online-Prognosen
Welche beeindruckende zeitliche und räumliche Auflösung heute bei Prognosen für die Direktvermarktung von Wind- und Solarstrom zur Verfügung stehen sowie die sich daraus ergebenden Handlungspotentiale beleuchtet Bernd Kratz, Geschäftsführer der Firma Enercast GmbH in Kassel in seinem Beitrag.
Regionale Wertschöpfung
Die Diplom-Geoökologin Katharina Heinbach vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) in Berlin erläutert in Ihrem Artikel die ökonomische Wertschöpfung durch erneuerbare Energien und beschreibt ein effektives Modell für deren  Quantifizierung.
Politische Rahmenbedingungen
Dr. Markus Groth ist Senior Wissenschaftler der Abteilung Ökonomie und Politik am Climate Service Center (CSC) des Helmholtz-Zentrums Geesthacht. Er stellt politische Rahmenbedingungen und
Zusammenhänge vor, die über Erfolg beziehungsweise Misserfolg der Energiewende in Deutschland entscheiden können und zeigt Handlungsbedarf sowie verschiedene Lösungsansätze auf.
Exkursionen
Die Geoökologie-Studierenden Sophie Spille und Arno Buchholz berichten über zwei der drei Exkursionen, die die VGöD-
Jahrestagung abgerundet haben.

Bioenergieregion  Bayreuth:
Ziele, Themen, Projekte

Die Region Bayreuth hat sich im Jahr 2008 im Rahmen des vom Bundeslandwirtschaftsministerium
ausgeschriebenen Wettbewerbes „Bioenergieregionen“ als eine von 25 Bioenergie-Modellregionen
qualifiziert und erhält seitdem Fördermittel zur Umsetzung ihres regionalen Bioenergie-
Entwicklungskonzeptes. Mithilfe des Wettbewerbs soll der Ausbau des Wirtschaftszweiges Bioenergie
in Deutschland unterstützt und vorangetrieben werden. Ziel ist es, vorhandene Potenziale für die re-
gionale Wertschöpfung zu mobilisieren und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Es gilt, innovative Kon-
zepte und Technologien umzusetzen, um langfristig zu mehr Eigenständigkeit bei Erzeugung und
Einsatz von Bioenergie zu gelangen. Regionale Netzwerk- und Kooperationsstrukturen sollen ausge-
baut und Wertschöpfungsketten erschlossen werden.

Von Bernd Rothammel, Bayreuth

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