Gesamtausgabe 3/2019 zum Herunterladen nur für Mitglieder

Inhalt

VGöD - Intern

  • Neues aus dem Vorstand
  • Schaffung eines übergeordneten Geoökologie-Netzwerkes

Schwerpunkt: Bodenkundliche Baubegleitung

  • Bodenkundliche Baubegleitung (BBB): Instrument des vorsorgenden Bodenschutzes - von Anna-Lena Löffler
  • Bodenkundliche Baubegleitung: Geschichte, Inhalte & Stand der Umsetzung - von Dr. Jörg Zausig
  • Ablauf einer Bodenkundlichen Baubegleitung - von Anna-Lena Löffler und Rainer Gryschko
  • Praxisbeispiele Bodenkundllicher Baubegleitung: Rekultivierung einer verdichteten Baustelleneinrichtungsfläche (BE-Fläche) im Rahmen einer Gewässerrenaturierungsmaßnahme - von Jörg Schneider
  • Kommentar eines Bodenkundlichen Baubegleiters - von Kevin Grönmeyer-Handke

Geoökologie

  • Selbstständige GeoökologInnen erzählen - Interview mit Dr. Falk Hieke
  • Berufswelten der Geoökologie: TZW: DVGW-Technilogiezentrum Wasser - von Sebastian Sturm
  • Masterstudierende berichten - Interview mit Markus Winkler

Forschung und Praxis

  • Neuer Rechtsrahmen für den europäischen Strommarkt - von Benedict Günter
  • Neuer DFG-Kodex zur guten wissenschaftlichen Praxis - von Niklas Hartmann

Bodenkundliceh Baubegleitung (BBB): Instrument des vorsorgenden Bodenschutzes

Warum sind Böden schützenswert?

Boden ist eine natürliche, nicht erneuerbare Ressource, die Lebensgrundlage und Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen darstellt und damit besonders schützenswert ist. Die Bodenentwicklung vom Ausgangsgestein bis zur differenzierten Bodenform ist ein Prozess, der Jahrtausende beansprucht. Die im Boden ablaufenden Prozesse werden von vielen Faktoren beeinflusst wie z.B. Klima, Relief, Ausgangsgestein, Vegetation und Nutzung. Dadurch bildet sich im Laufe der Jahrtausende ein sensibles Bodengefüge aus. In Kombination mit Wasser und Luft erfüllt der Boden mit seinem Gefüge eine Vielzahl an Funktionen, wie Filter-, Puffer-, Speicher- und Transformationsfunktionen sowie Archivfunktionen der Natur- und Kulturgeschichte. Damit sind Böden nicht nur die Grundlage der Nahrungsmittelerzeugung, sondern regulieren u.a. auch die (Trink-)Wasserversorgung, filtern Schadstoffe, tragen als Retentionsflächen zum Hochwasserschutz bei und speichern große Mengen an CO2.

Grundlegendes Problem:
Flächenverbrauch und Versiegelung

Das grundlegende Problem ist der Verlust an natürlichem Boden, was dem hohen Flächenbedarf- und -verbrauch geschuldet ist. Rund 46 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsflächen sind versiegelt (Umweltbundesamt 2017). Das heißt, der ehemals unbebaute, meist ökologisch wertvolle Boden wurde insofern befestigt, dass er seinen natürlichen Funktionen nicht mehr nachkommen kann. Das Ziel der Bundesregierung ist es, den Flächenverbrauch bis 2030 auf weniger als 30 ha pro Tag zu senken.

In Anbetracht dieser Zahlen wird deutlich, dass auch der Boden eine begrenzte Ressource ist. Mit der Ressource Boden ist es wie mit anderen Naturgütern auch: Wird damit nicht sparsam umgegangen, entzieht sich der Mensch seine Lebensgrundlage. Doch leider wird das komplexe System Boden kaum als solches wahrgenommen. Aus ökologischer Sicht sind die stetige Zersiedelung und Versiegelung grundlegende Probleme. Da aber (noch) keine nachhaltige Siedlungsentwicklung/-politik in Aussicht steht, bei der bestehende Siedlungs- und Verkehrsflächen besser integriert und genutzt werden, muss bei Bauprojekten und Nutzungsumwandlungen ein stärkerer Fokus auf den vorsorgenden Bodenschutz gelegt werden. Das heißt, der natürlich gewachsene Boden muss, bevor schädliche Veränderungen stattfinden, unbedingt gesichert und geschützt werden. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf den durchwurzelbaren Bodenschichten. Diese umfassen den humusreichen Oberboden (A-Horizont), der die erste Schicht im Bodenprofil bildet und den Unterboden (B-Horizont), der bei natürlicher Entwicklung ein ausgeprägtes Bodengefüge aufweist. Der Unterboden ist innerhalb eines Bodenprofils oftmals vielfältig differenziert und über die Jahrhunderte/-tausende weiter überprägt, sodass sich in diesen Bodenschichten ein komplexes System aus Bodenlebewesen, Luft und Wasser herausgebildet hat.

Wenn gebaut wird, dann mit BBB

Verdeutlicht man sich die feinen Strukturen und komplexen Vorgänge im Boden, die weitreichende Funktionen im Naturhaushalt erfüllen, ist es einfach zu sehen, wie anfällig und sensibel dieses System sein kann. Der Boden muss in seiner Beschaffenheit erhalten bleiben. Genau aus diesem Grund ist es nicht nur sinnvoll sondern auch notwendig, eine Bodenkundliche Baubegleitung zum vorsorgenden Bodenschutz im Zuge von Erdbauarbeiten einzusetzen, die gem. §2 BBodSchG den Erhalt bzw. die möglichst naturnahe Wiederherstellung von Böden und ihrer natürlichen Funktionen sicherstellen soll.

Bei Baumaßnahmen ist generell eine rechtskonforme Umsetzung unter Berücksichtigung der öffentlichen und privaten Belange wünschenswert. Dies sollte auch für bodenschutzbezogene Belange gelten, die durch das 1998 erlassene Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG): »Gesetz zum Schutz vor schädlichen Bodenveränderungen und zur Sanierung von Altlasten« ausgedrückt werden.

Wie allerdings »die natürlichen Funktionen sichergestellt« oder »schädliche Bodenveränderungen vermieden« werden und wie eine »möglichst naturnahe Wiederherstellung von Böden« bei Bauprojekten aussieht, ist in Gesetzen oder Regelungen nur unzureichend festgehalten, da auch Bodenschutzmaßnahmen oft z.B. mit Ausgleichsmaßnahmen oder bautechnischen Konventionen in Konkurrenz stehen. Wer wann und in welcher Form für den Bodenschutz auf der Baustelle die Verantwortung trägt, ist Ländersache. Das heißt, die jeweiligen Landesregelungen, welche wiederum auf weiteren Normen aufbauen, haben Vorrang gegenüber dem BBodSchG. Im konkreten Fall entscheidet die verantwortliche Behörde, ob eine BBB zum Einsatz kommt und ob diese dann auch weisungsbefugt wäre. In der Praxis sitzen dementsprechend die Baubegleiter/-innen oft zwischen den Stühlen. Sie haben den Auftrag der Behörde, die Belange des vorsorgenden Bodenschutzes durchzu- setzen. Demgegenüber stehen Bauherren und Baufirmen zunächst immer unter (Zeit-)Druck, was für den geforderten sensiblen Umgang mit dem Bodenmaterial wenig för- derlich ist. Vielleicht ist somit die größte Herausforderung für die Bodenkundlichen Baubegleiter/-innen, Handlungs- sicherheit gegenüber den verschiedenen Akteuren zu beweisen und sowohl Bauherren als auch Baggerfahrern die Thematik des vorsorgenden Bodenschutzes näher zu bringen.