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Masterstudiengang Umweltnaturwissenschaften an der ETH Zürich

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Aus FORUM der Geoökologie 22 (2), 2011
Von Peter M. Frischknecht, Zürich

Seit bald 25 Jahren bietet die ETH Zürich einen Masterstudiengang in Umweltnaturwissenschaften an. Die systemorientierte Ausbildung macht die Absolventinnen und Absolventen heute zu äusserst gefragten Fachleuten auf dem Arbeitsmarkt.

Hintergrund

Die Gesellschaft steht heute vor gewaltigen Herausforderungen: Der Klimawandel, die Entwertung von Land und Boden, die Verschmutzung von Süss- und Salzwassersystemen, der rasante Verlust an Biodiversität und die Gefährdung der menschlichen Gesundheit durch neue, von der Umwelt beeinflusste Krankheiten sind Probleme, die dringend gelöst werden müssen. Um die Welt ressourcenschonender und nachhaltiger zu gestalten, bedarf es vertiefter Kenntnisse über die Umweltsysteme und Auswirkungen menschlichen Handelns auf die natürlichen Prozesse. Und: Systemwissen muss mit Zielvorstellungen zu nachhaltigen Lösungen verbunden und Wissen mit Handeln verknüpft werden.

Die ETH Zürich hat deshalb schon 1987 einen Studiengang in Umweltnaturwissenschaften geschaffen, in welchem neben fundierten naturwissenschaftlichen Grundlagen auch der Umbau der Gesellschaft nach ökologischen Prinzipien einen grossen Stellenwert hat. Die Studierenden lernen, Konzepte für die nachhaltige Lösung der Umweltprobleme zu entwickeln, um sie in ihrer künftigen Berufstätigkeit umsetzen zu können. Besonderes Gewicht wird auf interdisziplinäres Arbeiten gelegt, das neben den Naturwissenschaften auch die Sozial- und Geisteswissenschaften sowie die Technik einschliesst. Seit Herbst 2003 wird die Ausbildung im Bachelor/Master-System angeboten.

Ausbildung mit Schwerpunkten

Der heutige Masterstudiengang Umweltnaturwissenschaften zieht jährlich 80 bis 100 Studierende an. Die Umweltnaturwissenschaften bilden damit unter den 13 naturwissenschaftlichen Masterstudiengängen, welche die ETH Zürich anbietet, eine tragende Rolle.

Der Masterstudiengang gilt als berufsqualifizierende Ausbildung (Im Gegensatz zu Deutschland wird in der Schweiz die B.Sc.-Ausbildung auf universitärer Ebene nicht als berufsqualifizierend angesehen (anders bei der Fachhochschule). Das hängt mit der sehr niedrigen Quote an universitären Abschlüssen zusammen (ca. 20% eines Jahrgangs). Für diese „kleine“ Gruppe erwartet die Arbeitswelt einen M.Sc.-Abschluss. Der B.Sc. ist eigentlich ein „Mobilitätsscharnier“.); er legt die Basis für eine wissenschaftliche Tätigkeit auf einem hohen akademischen Niveau und qualifiziert für die Bearbeitung komplexer Probleme. Die meisten Studierenden entscheiden sich deshalb nach dem abgeschlossenen Bachelorstudium in Umweltnaturwissenschaften für den anschliessenden Masterstudiengang.

Struktur der Ausbildung

Das Masterstudium umfasst zwei Jahre und beinhaltet im ersten Jahr den Besuch von Lehrveranstaltungen in einer Vertiefung und ergänzenden Wahlfächern. Angeboten werden Vertiefungen in Atmosphäre und Klima, Biogeochemie und Schadstoffdynamik, Ökologie und Evolution, Mensch-Umwelt-Systeme, Wald- und Landschaftsmanagement sowie Gesundheit, Ernährung und Umwelt.

Eine obligatorische Berufspraxis von mindestens 18 Wochen bietet im dritten Semester Gelegenheit, durch eigene praktische Tätigkeit Umweltprobleme in ihrer Komplexität zu analysieren und Lösungsstrategien zu erarbeiten. Abgeschlossen wird das Studium mit der Masterarbeit von sechs Monaten. Der Unterricht wird von Dozentinnen und Dozenten erteilt, die grösstenteils aktiv in der Forschung tätig sind. Unterrichtssprache ist Englisch.

Qualifikationsprofil des Masters

Studenten vor einem BodenprofilDie auf Masterebene vermittelten Kenntnisse und Fähigkeiten bauen auf der Bachelorausbildung auf. Die Masterausbildung mit den zur Wahl stehenden Vertiefungsrichtungen erlaubt den Studierenden, ein individuelles fachliches Profil zu erwerben. Unabhängig vom individuellen Profil erwerben die Absolventen zudem einen gemeinsamen Satz von Methoden, Werkzeugen und allgemeinen berufsrelevanten Fähigkeiten.

Fachbezogene Kenntnisse und Fähigkeiten:

Absolventinnen und Absolventen haben

  • ein vertieftes Wissen und Verständnis in einem bestimmten Fach und sind mit den aktuellen Entwicklungen in den Umweltwissenschaften vertraut;
  • die Fähigkeit, wissenschaftliche Methoden und Techniken für neue Anwendungen anzupassen und zu erweitern;
  • in der Masterarbeit wissenschaftlich gearbeitet;
  • die Fähigkeit, Probleme aus der Praxis in ein geeignetes und realistisches Modell zu überführen und dieses Modell mit geeigneten Methoden zu analysieren;
  • die Fähigkeit, mit Akteuren Lösungen zu entwickeln.

Allgemeine Fähigkeiten:

Absolventinnen und Absolventen können

  • komplexe Probleme auf einer analytischen Ebene bearbeiten;
  • sich in neuen Gebieten selbständig Wissen aneignen und dieses Wissen von einem Kontext in einen anderen transferieren;
  • Wissen integrieren und komplexe Zusammenhänge erforschen;
  • interdisziplinär arbeiten;
  • mit ihren kommunikativen Fähigkeiten wissenschaftliche Zusammenhänge und Resultate diskutieren;
  • berufliche Tätigkeiten übernehmen, die Urteilsvermögen, persönliche Verantwortung, Eigeninitiative und Innovationskraft voraussetzen;
  • erfolgreich in einer internationalen Umgebung arbeiten.

Gute Berufsaussichten

Das Departement Umweltwissenschaften hat über die letzten 20 Jahre hinweg regelmässig Erhebungen über die Berufstätigkeit ihrer Studienabgängerinnen und Studienabgänger vorgenommen. Sie zeigen, dass den Umweltnaturwissenschaften eine immer wichtigere Rolle in der Gesellschaft zukommt. Heute sind die Absolventinnen und Absolventen mit einem Masterabschluss auf dem Stellenmarkt sehr gefragte Fachleute und können zwischen vielfältigen Berufsfeldern wählen. Rund die Hälfte der ehemaligen Studierenden sind zwei Jahre nach ihrem Abschluss in diversen Dienstleistungssektoren in der Privatwirtschaft tätig. Das Spektrum umfasst Management- und Beratungspositionen in Umwelt- und Planungsbüros ebenso wie Stellen in Banken, Versicherungen, in den Medien und im Handel. Die Absolventinnen und Absolventen betreuen Ökologie-Projekte oder umweltrelevante Themen in den Medien, und sie entwickeln nachhaltige Investitionsprodukte oder Risikoanalysen für Umweltgefahren.

20 Prozent der Absolventinnen und Absolventen finden eine Stelle in der öffentlichen Verwaltung, beim Bund, in den kantonalen Ämtern oder bei der Gemeinde. Sie arbeiten meist in Positionen, in denen sie für die Implementierung der Umweltschutzgesetzgebung zuständig sind. Rund fünf Prozent der Studienabgängerinnen und –abgänger schliesslich entscheiden sich für einen anwaltschaftlichen Schutz der Umwelt und wählen eine Stelle bei einer der Umweltorganisationen wie WWF oder Pro Natura.

Rund ein Viertel der Absolventinnen und Absolventen zieht es in die Forschung – zum grossen Teil als Doktorierende. Sie bearbeiten naturwissenschaftliche Forschungsprojekte, wirken aber auch in inter- und transdisziplinären Forschungsprogrammen mit.

Voraussetzungen

In den Umweltnaturwissenschaften wird der Zugang zu Umweltfragen und ‑problemen über die Auseinandersetzung mit Umweltsystemen hergestellt. Dieser systemorientierte Ansatz weist breite Berührungsflächen zu Technik und Geistes- und Sozialwissenschaften auf und geht alle Fragestellungen sehr quantitativ und auf naturwissenschaftlichen Grundlagen basierend an. Wer in Zürich einen Master in Umweltnaturwissenschaften erwerben will, benötigt daher exzellente mathematische Grundlagen (Analysis, Lineare Algebra, Statistik) und ausgewiesene Grundlagen in Physik, Chemie sowie Biologie. Weiter werden Grundkenntnisse in einzelnen Umweltsystemen wie Wasser Boden, Luft oder Anthroposphäre und in zwei verschiedenen sozial- oder geisteswissenschaftlichen Disziplinen verlangt. Die spezifischen Anforderungen für einzelne Vertiefungen können unter der Website des Studiengangs nachgeschaut werden.

Bewerber/innen, welche die Voraussetzungen nicht vollständig erfüllen, erhalten eine Zulassung mit Auflagefächern, die ihnen die Möglichkeit einräumen, fehlende Grundlagen im ersten Studiensemester nachzuholen. Für Interessenten gibt die Website der ETH Zürich Informationen über die formalen Zulassungsvoraussetzungen, Bewerbungstermine und das Vorgehen bei einer Bewerbung.

Kontakt

Dr. Peter Frischknecht
Departements- und Studienkoordinator
ETH Zürich, Departement Umweltwissenschaften
frischknecht at env.ethz.ch

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Letzte Änderung: 10.01.2012