Umweltstudiengänge an der Universität Tübingen

> Masterstudiengang Applied Environmental Geoscience (AEG)

Bachelorstudiengang Umweltnaturwissenschaften

Aus FORUM der Geoökologie 21 (3), 2010
Von Carsten Leven-Pfister, Jens Bange und Christian Zwiener, Tübingen

Der Fachbereich Geowissenschaften der Eberhard Karls Universität Tübingen hat zum Wintersemester 2009/10 den neuen B.Sc.-Studiengang Umweltnaturwissenschaften eingerichtet.

Warum sind Umweltnaturwissenschaften wichtig?

Die Betrachtung des Systems Erde als begrenzter Lebens- und Entwicklungsraum verdeutlicht die Notwendigkeit, mit diesem System vorausschauend und nachhaltig umzugehen. Dabei stehen die langfristige Sicherung von Ressourcen wie Rohstoffen und Wasser und eine umweltverträgliche Energieversorgung im Fokus von Politik und Wissenschaft. Voraussetzung für nachhaltiges Handeln im Sinne eines sorgfältigen Managements und einer weit vorausschauenden Planung ist die Kenntnis der Prozesse im komplexen Zusammenspiel Mensch - Technik - Natur.

In diesem Kontext ist der multidisziplinäre Studiengang Umweltnaturwissenschaften so angelegt, dass eine fundierte Ausbildung in allen naturwissenschaftlichen Disziplinen erfolgt, die zum quantitativen Verständnis natürlicher und anthropogen gesteuerter Prozesse in der oberflächennahen Geosphäre beitragen. Der Schwerpunkt liegt auf der quantitativen Analyse biogeochemischer und physikalischer Prozesse und Stoffströme in Hydro-, Pedo- und Atmosphäre. Ziel des Studiengangs ist es, den Absolventen ein fundiertes theoretisches und methodisches Rüstzeug zur Bearbeitung umweltnaturwissenschaftlicher Probleme und Fragestellungen im System Erde zu vermitteln (Stichworte: Klimawandel, Georessourcen, Umweltsystemmanagement). Dementsprechend richtet sich der Studiengang "Umweltnaturwissenschaften" besonders an Studierende, die in den letzten Schuljahren ihren Fokus auf mathematisch-naturwissenschaftliche Fächer gerichtet haben.

In Tübingen verbindet sich das besondere Flair eines mittelalterlichen Stadtkerns mit der Attraktivität einer modernen Universitätsstadt. Die Eberhard Karls Universität in Tübingen wurde 1477 gegründet und bietet heute für rund 23000 Studierende mehr als 150 Studiengänge an, die von 450 Professoren betreut werden.

Kompetenzen und Studieninhalte

In dem multidisziplinären und anspruchsvollen Studium der Umweltnaturwissenschaften werden Kenntnisse und Kompetenzen zum Verstehen und Beschreiben von Prozessen der oberflächennahen Geosphäre praxisorientiert und mit naturwissenschaftlichen Methoden vermittelt. Dabei werden die Studierenden insbesondere zu vernetztem Denken angeleitet, das ein Erkennen, Beschreiben und Bewerten von komplexen naturwissenschaftlichen Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Umweltsystemen (z.B. Stoffflüsse in Atmosphäre, Wasser und Boden) ermöglicht. Einen wichtigen Bestandteil des Studiums stellt die Anwendung quantitativer Ansätze dar, die eine möglichst exakte Beschreibung und Vorhersage von Umweltprozessen vor allem durch mathematische Modelle ermöglichen sollen. Durch die praxisnahe Betrachtung von Fallstudien soll eine sichere Problemlösungskompetenz vermittelt werden, um beispielsweise Probleme und Fragestellungen im Zusammenhang mit Klimawandel, Georessourcen und Umweltsystemmanagement beschreiben und lösen zu können.

Dementsprechend werden grundlegende naturwissenschaftliche Basisfächer wie Mathematik, Chemie und Physik zu Beginn des Studiums gefestigt und erweitert; dies ist für ein vertieftes Verständnis der weiterführenden Studieneinheiten erforderlich. Begleitend und darauf aufbauend werden Kompetenzen aus den verschiedenen umweltnaturwissenschaftlichen Bereichen vermittelt:

Das Studium ist in sechs Semester gegliedert, wobei einzelne Stoffgebiete in thematisch abgeschlossenen Studieneinheiten (Modulen) zusammengefasst sind. Jedes Modul wird am Ende geprüft und trägt damit zum Studienabschluss bei. Neben fest vorgegebenen Modulen können weitere Module frei gewählt werden (Wahlpflicht), die aus allen Lehrangeboten der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät und vor allem aus den Bachelor- bzw. Masterstudiengängen Geoökologie, Geowissenschaften und Applied Environmental Geoscience ausgewählt werden können. Eine Besonderheit ist die freie Modulwahl im 5. Semester, die eine individuelle Profilbildung und das Absolvieren eines Auslandssemesters ermöglicht. Ein außeruniversitäres Praktikum (mindestens zwei Monate) bietet die Chance, erste berufspraktische Erfahrungen zu sammeln und Kontakte im Berufsfeld zu knüpfen. Abschließend werden im 6. Semester die Bachelorprüfung abgelegt und die Bachelorarbeit erstellt.

Wie erfolgt die Zulassung zum Studium der Umweltnaturwissenschaften?

Für den Studiengang gibt es ein universitätsinternes Auswahlverfahren. Eine Kommission aus wissenschaftlichem Personal der Universität entscheidet nach festgelegten Kriterien über die Vergabe von 40 Studienplätzen. Die Noten der naturwissenschaftlichen Fächer und einer modernen Fremdsprache werden neben der Abiturnote besonders berücksichtigt. Ebenfalls gewertet werden einschlägige Zusatzqualifikationen (z.B. studienrelevante Praktika oder Berufsausbildung, freiwillige Dienste etc).

Welche Spezialisierung und Profilbildung erlaubt der Studiengang?

Der Studiengang verfolgt einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Ansatz. Im Vordergrund der Lehre stehen daher die quantitativen Methoden der Chemie, Physik, Biologie und Mathematik, mit denen hydrologische, atmosphärische und umweltchemische Prozesse analysiert werden. Dabei spielen auch ingenieurwissenschaftliche Methoden insbesondere aus der Strömungsmechanik und der Elektrotechnik eine wichtige Rolle. Neben der reinen Analyse werden Verfahren der Messtechnik, Datenauswertung und der numerischen Datenverarbeitung und -simulation vermittelt. Dabei wird besonderer Wert darauf gelegt, die Studierenden im Rahmen von Seminaren, Feldpraktika und Übungen möglichst früh in aktuelle umweltnaturwissenschaftliche Fragestellungen einzuarbeiten und an laufenden Forschungsprojekten zu beteiligen. Hierzu zählen beispielsweise:

Da diese aktuellen Themen interdisziplinär auf internationaler Ebene behandelt werden, wird ein Auslandssemester (im fünften Fachsemester) nahegelegt und ein zweimonatiges Industriepraktikum verlangt.

Welche Perspektiven bieten sich nach dem Abschluss?

Den fachlich und methodisch breit ausgebildeten Absolventen der Umweltnaturwissenschaften eröffnet sich ein vielfältiges Berufsspektrum im privaten, öffentlichen und akademischen Sektor: Planungs- und Ingenieurbüros (z.B. Consulting, Umweltmonitoring, Sanierung, Analytik), Industrie (z.B. Umweltmesstechnik, Wind- und Wasserkraft, betrieblicher Umweltschutz, Ressourcenmanagement), Versicherungen und Banken (z.B. Risikoanalyse), Behörden und nichtstaatliche Organisationen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Durch die breite Ausbildung verfügen die Absolventen über eine hohe Flexibilität am Arbeitsmarkt und unterliegen einer relativ geringen Abhängigkeit von Branchenzyklen.

An den Abschluss "Bachelor of Science" (B.Sc.) lassen sich jedoch auch eine Vielzahl von Masterstudiengängen anschließen, so etwa der internationale Studiengang Applied Environmental Geoscience an der Universität Tübingen.

Steckbrief Umweltnaturwissenschaften an der Eberhard Karls Universität Tübingen
Dauer: 6 Semester mit Beginn zu jedem Wintersemester
Maximale Studienplätze pro Semester: 40
ECTS-Punkte: 180
Besonderheiten:
- Im 5. Semester nur Wahlpflichtmodule, ermöglicht individuelle Profilbildung und Auslandssemester
- zweimonatiges außeruniversitäres Praktikum
- Feldpraktikum
Bewerbung: zentral über das Studentensekretariat der Universität Tübingen
Bewerbungsfrist: jeweils 15. Juli
Vorlesungsbeginn: Mitte Oktober

Weitere Informationen
Eberhard-Karls-Universität Tübingen - Mathematisch Naturwissenschaftliche Fakultät
Zentrum für Angewandte Geowissenschaften
Studienfachberatung: Carsten Leven-Pfister
(carsten.leven-pfister at uni-tuebingen.de)
Link zum Studiengang


Masterstudiengang Applied Environmental Geoscience (AEG)

Aus FORUM der Geoökologie 22 (3), 2011
Von Olaf A. Cirpka, Peter Merkel und Monika Jekelius, Tübingen

Bereits seit dem Wintersemester 1999/2000 beschäftigt sich der international ausgerichtete AEG-Studiengang mit umweltrelevanten Fragestellungen. Der englischsprachige, nichtkonsekutive Masterstudiengang Applied Environmental Geoscience (AEG) richtet sich an internationale und deutsche Studierende, die über einen Bachelor-of-Science-Abschluss in einer Natur- oder Ingenieurwissenschaft verfügen. Die Studierenden sollen komplexe Umweltsysteme in der Geo- und Hydrosphäre auf der Grundlage eines fundierten naturwissenschaftlichen Prozessverständnisses quantitativ verstehen und grundlegende praktische Fähigkeiten im Umgang mit umweltgeowissenschaftlichen Problemstellungen erlangen. Die spezielle Ausrichtung auf den Bereich der Umweltgeowissenschaften macht das spezielle Profil des AEG-Studiengangs aus. Im Vordergrund steht dabei die Aneignung einer Problemlösungskompetenz in folgenden Bereichen:

Der Studiengang wird von den Dozenten des Zentrums für Angewandte Geowissenschaften getragen. Die Module des AEG-Studiengangs können auch von Studierenden der konsekutiven Masterstudiengänge „Geowissenschaften“ und „Geoökologie“ belegt werden. Die inhaltliche Abstimmung zwischen den AEG-Modulen ermöglicht es jedoch, den Studiengang ohne die Belegung Tübinger Bachelor-Module auf der Grundlage eines quantitativ orientierten Bachelorstudiums zu studieren.

Aufbau des AEG-Studiums

Das viersemestrige AEG-Studienprogramm umfasst Pflichtmodule, Wahlpflichtmodule sowie eine Masterarbeit (vgl. Abb.). Die Pflichtmodule führen in theoretische und methodische Grundlagen in den Kernbereichen der Umweltgeowissenschaften – Hydrogeologie, Hydrogeochemie und Umweltmodellierung – ein. Ein starker Schwerpunkt liegt auf grundwasserbezogenen Umweltproblemen.

Über den gesamten Verlauf des Studiums haben die Studierenden die Möglichkeit, ihr Wissen individuell zu ergänzen. Dabei können sie sich durch die Wahl entsprechender Module aus dem Wahlpflichtbereich in zusätzliche Themenbereiche vertiefen, z.B. durch die Wahl der Module Environmental and Geomicrobiology und das dazugehörige Praktikumsmodul Geomicrobiology Lab in den Bereich Umweltmikrobiologie. Es besteht aber auch die Möglichkeit, die Inhalte der Pflichtmodule entweder durch weiterführende Spezialmodule (z.B. Geostatistics, Biogeochemistry Course) zu vertiefen oder komplementär dazu fachbezogene zusätzliche Kenntnisse aus umweltrelevanten Bereichen zu erwerben (z.B. GIS and Remote Sensing, Geotechnical Engineering).

In den Modulen Scientific Practice 1+2 wird das wissenschaftliche Arbeiten innerhalb der beteiligten Forschungsgruppen an eigenen Projekten mit umweltgeowissenschaftlichem Bezug geübt. Sie dienen der Aneignung grundlegender praktischer, methodischer und konzeptioneller Kompetenzen für das wissenschaftliche Arbeiten. In Scientific Presentation werden die Forschungsergebnisse der Master-Arbeit präsentiert und mit Peers und Betreuern diskutiert. So können die Studierenden praktische Erfahrungen erwerben und werden frühzeitig in laufende Forschungsarbeiten der Arbeitsgruppen integriert.

Was machen AEG-Alumni?

Der stark quantitativ-naturwissenschaftlich und multidisziplinär ausgerichtete AEG-Studiengang bietet Absolventen eine breite Ausgangsbasis für

Laut Aussage zahlreicher Alumni ist für Arbeitgeber besonders die multidisziplinäre Ausrichtung interessant, durch die AEG-Absolventen aus Tübingen vielfältig einsetzbar sind. Weitere positive Aspekte im Hinblick auf die Berufsaussichten sind die erworbene Sprachkompetenz des durchgängig auf Englisch unterrichteten Studiengangs sowie die durch internationale Zusammensetzung der Studierenden (bisher aus 61 Ländern) erworbene interkulturelle Erfahrung.

Wie bekommt man einen AEG-Studienplatz?

Der Studiengang kann jeweils zum Wintersemester begonnen werden. Bewerbungsfrist ist der 31. März. Zulassungsvoraussetzung für das Auswahlverfahren im Studiengang ist ein erster Studienabschluss (B.Sc. oder Diplom) in Geologie, Geoökologie, Umweltnaturwissenschaften, Geophysik, Mineralogie, physische Geographie, Bodenkunde, Mathematik, Physik, Chemie, Biologie, Informatik, Bauingenieurwesen oder in einem verwandten Fach mit umweltwissenschaftlichem Bezug mindestens mit der Note 3,0 der Nachweis ausreichender Kenntnisse der englischen Sprache, z.B. durch TOEFL mit mindestens 79 Punkten im internetbasierten Test.

Weitere Informationen zum AEG-Masterstudiengang:
Universität Tübingen
Fachbereich Geowissenschaften
Link zum Studiengang

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Letzte Änderung: 01.05.2012