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Masterstudiengang an der Universität Trier: "Prozessdynamik an der Erdoberfläche"

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Aus FORUM der Geoökologie 19 (1), 2008
Von Markus Casper, Trier

Im neu eingerichteten Masterstudiengang "Prozessdynamik an der Erdoberfläche" erlernen die Studierenden die Fähigkeit zum eigenständigen wissenschaftlichen Arbeiten im thematischen Schnittstellenbereich der Fächer Physische Geographie, Geologie, Bodenkunde und Hydrologie. Der Studiengang ist ab Wintersemester 2008/2009 belegbar.

Fachlicher Schwerpunkt des Studiengangs ist die Theorie, das Messen in Labor und Gelände, das Modellieren (Abstraktionsprozess) und Simulieren (experimentell oder numerisch) von Prozessen der Ablösung, des Transports und der Ablagerung von Substrat durch alle beteiligten Flüsse der Agenzien Wasser, Eis und Wind. Diese Inhalte werden ergänzt durch Erarbeitung geeigneter Gegenmaßnahmen (z.B. Schutz vor Erosion, Massenbewegungen und Hochwasser) auf der Basis einer verbesserten Prozesskenntnis, einer effektiveren Vorhersage oder planerisch-baulicher Eingriffe.

In einem eigenen Modul werden auch sedimentologische Archive (Seesedimente und Kolluvien) als Proxis der Klima- und Landschaftsentwicklung interpretiert und für die Prozessidentifikation im aktuellen geomorphodynamischen Geschehen nutzbar gemacht. Die fachliche Ausbildung vollzieht sich durch eine Erweiterung bereits vorhandener theoretischer und methodischer Fähigkeiten in den Bereichen Messen und Prozesssimulation im Gelände und Labor, geographische Informationsverarbeitung sowie numerische Modellbildung und Simulation unter Einbeziehung bildgestützter Aufnahmeverfahren (Luftbild-, Satellitenfernerkundung).

Der zweite Schwerpunkt des Fachstudiums liegt im Bereich der Auswertung, Darstellung und Interpretation bzw. Diskussion der erhobenen Daten auf der Basis des aktuellen Forschungsstandes. Hierzu werden unterschiedlichste Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens vermittelt und themenbezogen angewendet.

Parallel zur Fachausbildung werden zahlreiche Schlüsselqualifikationen erlernt. Im Laufe des Studiums werden so selbstgesteuertes Lernen, eine ständige aktive Orientierung in Verbindung mit zielgerichtetem Handeln (v.a. im Rahmen von zwei einjährigen Lehrforschungsprojekten) neben sozialer Kompetenz (Teamfähigkeit) als zentrale Schlüsselqualifikationen erlernt. Großer Wert wird auf die mündliche und schriftliche Selbstdarstellung gelegt. Wissenschaftliches Schreiben wird intensiv trainiert. Die Veranstaltung eines eigenen Workshops gibt zusätzliche Einblicke in den wissenschaftlichen Alltag.

Studienverlauf

Der Master-Studiengang Prozessdynamik an der Erdoberfläche umfasst eine Regelstudienzeit von vier Semestern mit 120 Leistungspunkten (LP) nach ECTS (Abb. 1). Es erfolgt keine stärkere individuelle Profilbildung, da im Wahlpflichtbereich nur 12 LP vorgesehen sind. Das Studium gliedert sich in drei zeitlich überlappende Abschnitte:

  • Theoretische Grundlagen und Methodenerwerb;
  • Lehrforschungsprojekte;
  • Masterarbeit.

In den ersten beiden Semestern werden das theoretische Grundwissen der Studierenden aus ihrem Bachelor- Studium in den Fächern Bodenkunde (Modul G2), Geologie (Modul G3), Hydrologie (Modul G6), Physische Geographie (Modul G1) ergänzt, vereinheitlicht und weiterentwickelt. Es werden zusätzliche Labor- und Feldmethoden erlernt, die später in den Lehrforschungsprojekten zur Anwendung kommen. Ergänzend dazu findet je ein Grundlagenmodul zur Umweltfernerkundung (G5) und zum Thema Analyse und Simulation raumzeitlicher Daten (G4) statt.

Im zweiten Semester wird ein eigener Workshop zur Vertiefung relevanter wissenschaftstheoretischer Ansätze bzw. zum Erwerb von Methoden aus weiter entfernten Wissenschaftsdisziplinen (z.B. Mathematik, Informatik) veranstaltet (E1). Dabei wird auch der gesamte Prozess der Organisation eines wissenschaftlichen Workshops (call for papers, Programmerstellung, Vorträge, Erstellung und gegenseitiges Reviewing wissenschaftlicher Textbeiträge, Edition von Proceedings) unter Anleitung weitgehend selbstständig durchgeführt. Im zweiten und dritten Semester liegt der Arbeitsschwerpunkt auf zwei parallel verlaufenden Lehrforschungsprojekten (LrfP1 und LrfP2). In diesen Projekten werden wissenschaftliche Themen von der Konzeption über den Methodenerwerb, die Erstellung des Messkonzeptes, die Datenerfassung im Gelände und Labor bis zur Auswertung und Ergebnispräsentation unter fachkundiger Anleitung bearbeitet. Dabei steht auch der Erwerb von Schlüsselqualifikationen, wie aktive Problemlösungskompetenz, Fähigkeit zur Ressourcenplanung und Teamfähigkeit im Mittelpunkt der Ausbildung. Aktuell werden Projekte zu "Bodenabtrag und Wasserhaushalt", "Abflussbildung und Stoffaustrag", "Massenbewegungen (Rutschungen)" oder "Erosion und Sedimentation (Archive)" angeboten. Die genaue inhaltliche Ausgestaltung der Lehrforschungsprojekte orientiert sich jedoch immer an den aktuellen Forschungsthemen der beteiligten Fächer.

Im dritten Semester findet mit dem Modul Geo-Visualisierungstechniken (E2) eine Methodenerweiterung statt, die in der Ergebnispräsentation der Lehrforschungsprojekte und der Masterarbeit direkte Anwendung findet. Im zweiten und dritten Semester wird je ein Modul frei aus dem Lehrangebot des Fachbereichs VI oder darüber hinaus der Universität belegt. Ein mindestens vierwöchiges Berufspraktikum außerhalb der Universität Trier (Pr) gehört ebenfalls zum Pflichtprogramm.

Im letzten Semester erfolgt dann die Bearbeitung der Masterarbeit (M1). Die Themen ergeben sich weitgehend aus den zuvor bearbeiteten Lehrforschungsprojekten. Die kompetente Präsentation von Forschungskonzept und Ergebnissen ist neben der Abfassung eines wissenschaftlichen Papers (in englischer Sprache) Inhalt des abschließenden Masterkolloquiums (M2).

Genauere Informationen
zum Studiengang
zur Universität Trier
zur Stadt Trier

JProf. Dr. Markus Casper
Dipl.-Geoökol.
Universität Trier
Physische Geographie
Behringstraße
D-54286 Trier
Tel.: +49 (0)651 201 4518
E-Mail: casper at uni-trier.de

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Letzte Änderung: 11.02.2010