Der neue Studiengang International Field Geosciences mit dualem B.Sc.-Studienabschluss an der Universität Potsdam

Aus FORUM der Geoökologie 20 (1), 2009
Von Andreas Bergner und Petra Görlich, Potsdam

Die Universität Potsdam hat sich mehr Qualität in der Lehre verordnet. Künftig sollen eine verstärkte Berufsorientierung und das Sammeln von Praxis- und Auslandserfahrungen schon in den Bachelorstudiengängen verankert sein. Genau das bietet bereits jetzt der gerade im Institut für Geowissenschaften eingerichtete neue duale Bachelorstudiengang "International Field Geosciences" (IFG). Ein Modell für Massenstudiengänge ist er freilich nicht, denn noch können erst wenige Studierende am ungewöhnlichen Studienprogramm teilnehmen. Seine Macher sind sich dennoch sicher, auf dem richtigen Weg zu sein.

Zur Praxis in die Rocky Mountains

Seit dem Wintersemester 2008/2009 bietet die Universität Potsdam erstmals den Bachelorstudiengang International Field Geosciences an. Der neue Studiengang richtet sich an Studierende mit einem überdurchschnittlichen Interesse an Erd- und Umweltwissenschaften sowie an der Geländearbeit. Es handelt sich um ein trinationales, von der Europäischen Union gefördertes Studienprogramm mit dualem Bachelorabschluss, das im Bereich der Geowissenschaften deutschlandweit einmalig ist. Da die Studierenden sowohl einen deutschen als auch einen US-amerikanischen Bachelorabschluss erhalten, ergeben sich nach erfolgreichem Studienabschluss erweiterte Berufs- und Qualifikationsperspektiven auf den internationalen Märkten.Vier Jahre dauert der neue internationale Bachelorstudiengang. Damit ist er eine Ausnahme im ansonsten üblichen Bachelorangebot, das in der Regel dreijährige Studiengänge umfasst. Die Universität Potsdam, das University College Cork (Irland) und die University of Montana (Missoula, USA) vereinigt jedoch die Absicht, die Mobilität ihrer Studierenden fördern zu wollen. Und das kostet in praxi Zeit. Genau gesagt ein Jahr: Im neuen Studienprogramm sind finanziell geförderte Pflichtaustauschmodule mit den Partnerhochschulen Cork und Montana integriert, drei Monate für Cork und zwölf Monate für Montana. Während des Austauschs sollen die Studierenden für sie fremde Lebens- und Hochschulkulturen kennen lernen, spannende Lehrangebote besuchen und vor allem ihre Kenntnisse der Geländearbeit vertiefen.

Studieninhalte

Wieder mehr Augenmerk den Untersuchungen im freien Gelände zu schenken, hat handfeste Gründe. Denn in der Vergangenheit sind Geowissenschaftler zunehmend in technischen Anwendungen, Computermethoden und Laboranalyseverfahren ausgebildet worden. Viele Absolventen kennen sich mit geographischen Informationssystemen oder in der Fernerkundung aus, aber über die Arbeit draußen wissen sie nur wenig. Das hat die Industrie moniert. Ihr fehlen die Fachleute, um den weltweiten Entwicklungen auf dem heiß umkämpften Rohstoffmarkt effektiv zu begegnen. Die Wirtschaft drängt auf Experten, die ihr direkt vor Ort helfen, Zusammenhänge zu erkennen und Gesteinsformationen fachgerecht zu interpretieren.

Der Dual Bachelor International Field Geosciences fördert daher die geländebezogene Ausbildung durch eine Vielzahl von Geländepraktika, Trainingskursen und Kartierübungen. Ziel der Ausbildung ist es, Fähigkeiten und Fertigkeiten zu vermitteln, um später Aufschlussverhältnisse, stratigraphische Beziehungen, Deformationsstrukturen sowie die Kopplungen zwischen Oberflächenprozessen, Tektonik und Klima besser zu verstehen. Neben der geländebezogenen Praxisausbildung und fundierten naturwissenschaftlichen Studieninhalten haben die Studierenden zusätzlich die Möglichkeit, im Rahmen der Auslandsaufenthalte ihre eigenen Wissens- und Erfahrungshorizonte zu erweitern und die interkulturelle Kommunikation zu verstärken. Sprachkurse und Praktika in wissenschaftlicher Kommunikation gehören ebenso zum Ausbildungsspektrum wie Studienseminare in englischer Fachsprache.

Studienverlauf und Mobilität

Der neue Studiengang ist stark angelehnt an bereits vorhandene Bachelorprogramme in Geowissenschaften oder Geoökologie (u.a. Potsdam, Bayreuth, Karlsruhe). Die fachliche Ausbildung hat sich kaum verändert. Einzig der Gang ins Ausland im fünften und sechsten Semester kommt hinzu. Dabei erweist sich vermutlich für die Akademiker in spe nicht nur der Aufenthalt in Cork, sondern auch in Montana als Glücksfall. Die Universität von Missoula liegt direkt in den Rocky Mountains und dürfte mit ihrer Umgebung einen idealen Ort darstellen, um sich Techniken der Geländearbeit anzueignen.

Noch hat das Programm allerdings einen "Wermutstropfen". Aufgrund der begrenzten finanziellen Förderung durch die EU können im Rahmen des Programms derzeit jährlich nur vier Studierende mit Vollstipendien (für die Dauer ihrer Auslandsaufenthalte) gefördert werden. Die Zulassung zum Studium ist daher begrenzt und erfolgt über den Wechsel aus bestehenden Studienprogrammen der Geowissenschaften beziehungsweise der Geoökologie und auf Grundlage einer erfolgreichen schriftlichen Bewerbung jeweils zum 15. April eines Jahres. Bedingung ist hierbei die Absolvierung einer mindestens dreisemestrigen Studienleistung zum Zeitpunkt der Bewerbung. Erfolgreiche Bewerber wechseln zum Beginn des 5. Semesters in den dualen Studiengang und starten bereits im August an der University of Montana ihr erstes Auslandsmodul.

Weitere Informationen:
Dualbachelor Uni Potsdam
Sprecher des Studienganges:
Prof. Manfred Strecker, PhD
Lehrstuhl Allgemeine Geologie
Koordination:
Dr. Andreas Bergner
Institut für Geowissenschaften
Karl-Liebknecht-Str. 24-25
14476 Potsdam
0331/977-5843
bergner at geo.uni-potsdam.de

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Letzte Änderung: 09.02.2010