Der M.Sc.-Studiengang Landschaftsökologie an der Universität Oldenburg

Aus FORUM der Geoökologie 19 (3), 2008
Von Michael Kleyer, Oldenburg

Der M.Sc. Landschaftsökologie an der Universität Oldenburg hat das Ziel, Naturschutz und Renaturierung mit theoretischer Ökologie und Forschung zum Überleben von Arten in Kultur- und Naturlandschaften zu verbinden und zu Bewahrung von Natur und Landschaft national und international verwendete Planungsmethoden zu vermitteln. Die Landschaftsökologie stellt heute eine wesentliche ökologische Grundlage für das Verständnis des Mensch-Umweltsystems dar. Sie ist interdisziplinär orientiert und ermöglicht den Brückenschlag von der Analyse ökologischer Systeme zur Vorsorge in der Umweltplanung und Regionalentwicklung. Landschaftsökologen analysieren Stoffkreisläufe und deren Veränderungen durch den Menschen, beurteilen die Folgen von Landschaftsveränderungen für die Biodiversität und entwickeln Konzepte für die umweltverträgliche Nutzung von Landschaften.

Der Master-Studiengang ist konsekutiv zum Bachelor of Science Umweltwissenschaften an der Universität Oldenburg angelegt und hat den seit 1993 bestehenden Diplom-Studiengang Landschaftsökologie als Vorläufer. Der Studienplan vermittelt theoretische und anwendungsbezogene Ökologie, wobei die Kenntnis landschaftlicher Ökosysteme in Raum und Zeit im Vordergrund steht. Spezialisierungsmöglichkeiten liegen auf den Schwerpunkten Funktionelle Ökologie und Landschaftsökologie, Restitutionsökologie und Umweltplanung. Auf Grund der vielfältigen Zeit- und Raumskalen spielen komplexe statistische Datenauswertungen und Modellierungen eine wichtige Rolle. Ein weiteres wesentliches Element sind Projektarbeiten, in denen die Studierenden problembasiert und eigenständig komplexe Fragestellungen im Team bearbeiten. Die Masterarbeit und die Projekte werden thematisch und organisatorisch eng an die Forschungsprojekte der Arbeitsgruppen an der Universität Oldenburg angebunden.

Studienaufbau und Zugangsvoraussetzungen

Der viersemestrige Studiengang besteht aus kursartig angebotenen Modulen mit einem Umfang von 120 Kreditpunkten. Etwa ein Drittel des Kursangebotes kann auch in verwandten Studiengängen, z.B. in denen des MasterCluster Umwelt und Nachhaltigkeit (s.u.), oder im Ausland studiert werden. Das erste Semester dient der Theorieentwicklung in den Bereichen Funktionelle Ökologie von Pflanzen und Tieren, biogeochemische Stoffkreisläufe, Umweltplanung und Datenmodellierung. Ab dem zweiten Semester können sich die Studierenden in den Bereichen Umweltplanung, Landschaftsökologie und Restitutionsökologie vertiefen. Das zweite Semester vermittelt in Gelände- und Laborpraktika oder anhand von planerischen Entwürfen methodische Kenntnisse. In diesem Semester wählen die Studierenden eine Projektgruppe oder ein Forschungsthema aus und vertiefen die methodischen Kenntnisse in eigenständiger Arbeit. Das dritte Semester vertieft die Theorieentwicklung. Das vierte Semester dient ausschließlich der Master-Arbeit. Diese kann experimentell orientiert sein, auf Beobachtungen und Messungen im Gelände aufbauen oder im Rahmen von Umweltplanungen stattfinden.Der Zugang zum Studium erfordert einen qualifizierenden Abschluss des B.Sc. Umweltwissenschaften der Universität Oldenburg oder eines anderen B.Sc. aus den Gebieten der Ökologie, Umweltwissenschaften, Umweltökonomie, Landespflege, Biologie, Geographie, Geoökologie oder Agrarwissenschaften.

Berufliche Perspektiven/Arbeitsfelder

Landschaftsökologie-Absolventen der Universität Oldenburg haben sehr gute Berufschancen bei Behörden, Verbänden und Planungsbüros. Die für Oldenburg typische Projektarbeit hat den Absolventen den Ruf eingebracht, selbständig, innovativ und verantwortungsvoll agierende Teamarbeiter zu sein. Nach Ende des Studiums kennen sie die wesentlichen gesetzlichen Regelungen und Planungsinstrumente der Umweltvorsorge und können Bestandserhebungen, Prognosen und Bewertungen von biogeochemischen Stoffkreisläufen und Pflanzen- und Tierarten in Landschaften selbstverantwortlich durchführen.

Im Fokus des Studiums steht die Kompetenz zur Überwindung von wissenschaftlichen Defiziten in der Erkenntnis, Vorhersage und Vermeidung von Umweltproblemen. Zur Weiterqualifikation in der Forschung werden die Studierenden in enger Anbindung an Forschungsprojekte in den Arbeitsgruppen mit wissenschaftlicher Arbeit vertraut gemacht. Anschließende Promotionen können im Rahmen des Oldenburger Promotionsstudienganges Environmental Sciences durchgeführt werden.

Weitere Informationen:
Landschaftsökologie
Zum Studium

MasterCluster Umwelt und Nachhaltigkeit

Neben dem Studiengang Landschaftsökologie bietet die Universität Oldenburg weitere umweltbezogene Studiengänge an, die im MasterCluster Umwelt und Nachhaltigkeit zusammengefasst sind. Der MasterCluster wird durch das transdisziplinäre Zentrum COAST der Universität Oldenburg koordiniert. Je nach Interessensschwerpunkt können Studierende diverse Module aus den unterschiedlichen Studiengängen und Fächern mit vielfältigen methodischen sowie inhaltlichen Schwerpunkten belegen. Voraussetzung für diese zahlreichen Wahl- und Kombinationsmöglichkeiten ist die ausgeprägte Vernetzung und Kooperation zwischen den unterschiedlichen Fachdisziplinen.Teilnehmende Masterstudiengänge sind neben dem Studiengang Landschaftsökologie:

Postgraduate Programme Renewable Energy

Der englischsprachige, dreisemestrige, nicht-konsekutive Masterstudiengang wendet sich an Naturwissenschaftler- und IngenieurInnen mit einem mindestens siebensemestrigen B.Sc.-Abschluss. Er existiert seit 1987. Im Zentrum steht die theoretische und anwendungsorientierte Einführung in alle wesentlichen erneuerbaren Energiesysteme.
(Postgraduate Programme Renewable Energy)

European Renewable Energy

Dieser international ausgerichtete Masterstudiengang wird von der European Renewable Energy Centres (EUREC) Agency auf europäischer Ebene organisiert und gemeinsam von derzeit acht Hochschulen in fünf europäischen Ländern ausgerichtet. Das dreisemestrige Aufbaustudium beginnt jährlich im Oktober und umfasst die Grundlagen der erneuerbaren Energien (Sonne, Wind, Wasser und Biomasse).
(European Renewable Energy)

Sustainability Economics and Management

Der Masterstudiengang legt seinen Schwerpunkt auf wirtschaftswissenschaftliche Kenntnisse und ein fundiertes Querschnittwissen in ökologischen und sozialen Fragen zur Lösung von Problemen der Nachhaltigkeit in Unternehmen, Behörden, Wissenschaftseinrichtungen und internationalen Einrichtungen. Fragen der Umwelt- und Ressourcenökonomie sowie die betriebswirtschaftliche Bearbeitung ökologischer und sozialer Probleme werden durch juristische und naturwissenschaftliche Fächer ergänzt; Wahlmodule aus anderen Bereichen (z.B. erneuerbare Energien, Umweltplanung, Umweltmodellierung) sichern die gewünschte thematische Breite der Ausbildung.
(Sustainability Economics and Management)

Marine Umweltwissenschaften

Im Mittelpunkt dieses Studiengangs steht die Fähigkeit zur Verknüpfung einer breiten Palette mathematisch-naturwissenschaftlicher Verfahren und Methoden. Dies beinhaltet neben theoretischen Studieninhalten ganz wesentlich auch eine breite praktische Ausbildung von Strategien der Datenverarbeitung bis hin zu Anwendungen leistungsfähiger Geräte der chemischen und mikrobiologischen Umweltanalytik.
(Marine Umweltwissenschaften)

Umweltmodellierung

Der Masterstudiengang Umweltmodellierung verbindet umweltnaturwissenschaftliches Denken mit wirtschaftswissenschaftlichem Herangehen und Methoden der Mathematik und Informatik. Die Erhebung und Verarbeitung von komplexen Daten, die Entwicklung und Anwendung komplexer Modelle für Prognosen und Entscheidungsunterstützungssysteme stehen im Fokus der Ausbildung.
(Umweltmodellierung)

Water and Coastal Management

In Kooperation mit der Universität Groningen bietet dieser Studiengang eine Ausbildung zum integrierten Management von Meeren, Küsten und Flussgebieten. In dem anwendungsorientierten, überwiegend englischsprachigen Masterstudiengang vermitteln Fallstudien im Dialog mit der Gesellschaft, wie mathematisch-naturwissenschaftliche, raumplanerische und wirtschaftswissenschaftliche Verfahren in der nachhaltigen Raumentwicklung erfolgreich verknüpft werden.
(Water and Coastal Management)

Prof. Dr. Michael Kleyer
Arbeitsgruppe Landschaftsökologie
Institut für Biologie und Umweltwissenschaften
Universität Oldenburg
Carl von Ossietzky Str. 9-11
26129 Oldenburg
Tel.: 0441/798-3910
michael.kleyer at uni-oldenburg.de

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Letzte Änderung: 09.02.2010