Der Studiengang Landschaftsökologie und Naturschutz an der Universität Greifswald

Aus FORUM der Geoökologie 20 (1), 2009
Von Florian Jansen, Greifswald

In einer Zeit zunehmender ökologischer Gefährdung unserer Erde wird es immer wichtiger, Wissen und Kompetenzen zu vermitteln, mit denen anthropogen verursachte Landschaftsveränderungen bewertet und gegebenenfalls korrigiert werden können. In Greifswald sollen die Studierenden lernen, die Landschaft mit all ihren Einflussfaktoren zu erfassen, die der Landschaft innewohnenden Potenziale zu bewerten und Lösungen für den Erhalt ihrer Funktionstüchtigkeit und ihrer nachhaltigen Nutzung zu entwickeln. All das geschieht in Greifswald auf einer einmalig breiten fachlichen Basis. Zur Landschaftsökologie der "Greifswalder Schule" gehören neben dem Kern einer aus den biotisch-organismischen Wissenschaften kommenden Landschaftsökologie auch geisteswissenschaftliche Kompetenzen. So sind die Professuren für Landschaftsökonomie sowie die deutschlandweit einzigartige Professur für Umweltethik unverzichtbare Bestandteile des Institutes und der Ausbildung.

Die Naturwissenschaften erlauben die Erfassung des Status Quo, historischer Vergleichszustände sowie die Modellierung von Zukunftsszenarien. Die Genese und Formenmannigfaltigkeit der Landschaft soll in ihrem Zusammenspiel erfasst werden, die Geokomponenten eines Naturraumes gekennzeichnet und in ihrer funktionalen Verknüpfung begriffen werden. Botanische und in Teilgebieten auch zoologische Artenkenntnis sind die Grundlage für bioindikative Aussagen und Bewertungen. Vorlesungen und Seminare werden schon früh durch Praktika und Exkursionen ergänzt.

Die Umweltethik kann auf diesem Fundament den unverzichtbaren Diskurs darüber strukturieren, wie wir dieses Wissen für unsere Handlungen nutzen sollen. Die Professur will die Studierenden in den ethischen Dialog zwischen Natur- und Geisteswissenschaften einerseits, Wissenschaft und Gesellschaft andererseits einführen. Es ist immer wieder inspirierend, sich auch über die Sprachgrenzen der Natur- und Geisteswissenschaften hinweg zu verständigen und voneinander zu lernen.

Die Ökonomie wiederum kann uns zum einen die Kosten unseres derzeitigen Handelns und andererseits die kosteneffektivsten Alternativen aufzeigen. Die Studierenden sollen eine ökonomische Grundausbildung erhalten, wie sie auch in den Agrar- und Forstwissenschaften vorausgesetzt wird. In der Praxis erspart dies viele von Ideologie geprägte Auseinandersetzungen und entlastet die Naturschutzdiskussionen.

Kurz nach der politischen Wende in Ostdeutschland, im Jahr 1992, entwarf der spätere alternative Nobelpreisträger Prof. Dr. Michael Succow das Studienfach "Landschaftsökologie und Naturschutz", zunächst als Hauptfach in der Biologieausbildung, seit 1996 als eigenständigen Studiengang. Ab dem Wintersemester 2009/2010 wird es als Bachelor- und Master-Studiengang angeboten. Bereits seit 2007 läuft außerdem der internationale, englischsprachige Masterstudiengang Landscape Ecology and Nature Conservation.

StudentInnen

Der vielleicht wichtigste Standortvorteil der Greifswalder Landschaftsökologie sind die Studierenden selbst. Das außergewöhnliche Studienangebot zieht viele hochmotivierte und wissbegierige junge Menschen aus aller Welt an, und aufgrund der immer noch familiären Atmosphäre ist eine gute Betreuung, aber auch eine enge Rückkopplung der studentischen Erfahrungen mit der Studienkonzeption möglich. So findet direkt im ersten Semester ein maßgeblich von den höheren Semestern organisiertes Einführungsseminar "Wissenschaftliche Herausforderungen des Naturschutzes" statt, welches eine Einführung in die Themen des Studiums, erste Praxis im eigenständigen wissenschaftlichen Arbeiten und Präsentieren sowie Diskussionen über aktuelle Naturschutzfragen bietet.

Die "LaÖks" sind aus dem Stadtbild und der Stadtkultur Greifswalds gar nicht mehr wegzudenken. Sei es in den Erzeuger-Verbraucher-Initiativen, bei kulturellen Veranstaltungen oder dem Engagement gegen das geplante Steinkohlekraftwerk.

Breit wie das Studium sind auch die Berufsfelder der Landschaftsökologie-AbsolventInnen.Sie haben gute Berufschancen in:

Internationale Ausrichtung

Die meisten Umweltprobleme kennen keine nationalen Grenzen, daher ist es nur konsequent, dass das Studium in Greifswald international ausgerichtet ist. Die Professur "Internationaler Naturschutz", 1998 mit Hilfe von Mitteln des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft eingerichtet und nun fortgeführt am Institut für Zoologie, dient diesem Anliegen ebenso wie die internationalen Projekte vieler anderer Arbeitsgruppen sowie das zweijährige, internationale Masterprogramm Landscape Ecology and Nature Conservation, das sich insbesondere an angehende internationale Fach- und Führungskräfte richtet. Traditionell sind die Kontakte dabei insbesondere gen Osten gerichtet, seien es die Moore in Sibirien oder Weißrussland, die Steppen in der Mongolei, die Wüsten im Tarim-Becken und in Turkmenistan, die Weidesysteme in Aserbaidschan oder die Wälder und Hochgebirge Nepals.

Seit 2005 ergänzt die Arbeitsgruppe Ökosystemdynamik des Sofja Kovalevskaja-Preisträgers Dr. Martin Wilmking das breite Forschungsspektrum des Hauses mit Forschungen zur Klimawirksamkeit von Torfmooren der borealen Zone und der Klimarekonstruktion mit Hilfe der Dendroökologie.

Bachelor & Master

Im Oktober 2008 wurde die Umstellung des Studienganges Landschaftsökologie und Naturschutz in einen Bachelor- und einen Masterstudiengang zum Wintersemester 2009/10 beschlossen. Die dazu notwendige Modularisierung von Studieninhalten ist abgeschlossen und befindet sich in der Akkreditierung. Im Vergleich zu anderen Bachelorabschlüssen wird der B.Sc. Landschaftsökologie in Greifswald neben den naturwissenschaftlichen Fächern von Beginn an auch die Umweltethik und die Umweltökonomie integrieren, da nur so den komplexen Anforderungen an ein umfassendes Management von Ökosystemen Rechnung getragen werden kann.

Der M.Sc. Landschaftsökologie und Naturschutz ist strukturiert in zwei obligatorische Aufbaumodule (14 LP); zehn Wahlmodule, von denen zwei belegt werden (12 LP); 13 wahlobligatorische Vertiefungsmodule und 19 Fortgeschrittenenmodule (davon acht Module im Forschungspraktikum), von denen acht belegt werden müssen (64 LP); eine Master-Arbeit inklusive Verteidigung (30 LP). Nähere Informationen werden im Internet (vgl. nachstehende Links) verfügbar gemacht.

Für Geoökologen mit Bachelorabschluss, die sich entweder weiter in Richtung der organismischen Biologie entwickeln wollen, oder aber in ihrer bisherigen Ausbildung die Philosophie und/oder Ökonomie vermisst haben, bietet der Masterstudiengang Landschaftsökologie und Naturschutz in Greifswald eine sehr attraktive Möglichkeit für das weitere Studium.

Weitere Informationen zum Institut:
www.botanik.uni-greifswald.de
zum derzeitigen Diplom-Studiengang Landschaftsökologie und Naturschutz:
www.uni-greifswald.de/studieren/studienangebot/fachbeschreibungen/laoek.html
zum Internationalen Masterprogramm Landscape Ecology and Nature Conservation:
www.botanik.uni-greifswald.de/msclenc

Fachstudienberatung:
Dr. Florian Jansen
Institut für Botanik und Landschaftsökologie
Grimmer Str. 88
17487 Greifswald
03834/86-4147
jansen at uni-greifswald.de

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Letzte Änderung: 05.05.2013