Die Studiengänge M.Sc. Biodiversität und Ökologie und M.Sc. Global Change Ecology

> M.Sc. Global Change Ecology

Der M.Sc.-Studiengang "Biodiversität und Ökologie" an der Universität Bayreuth

Aus FORUM der Geoökologie 19 (3), 2008
Von Pedro Gerstberger, Bayreuth

Bayreuth (75.000 Einwohner), Sitz der Bezirksregierung von Oberfranken und weltweit berühmt durch die 1876 von Richard Wagner begründeten Opernfestspiele, ist eingebettet zwischen der Fränkischen Alb mit imposanten weißen Dolomitfelsen und tief eingeschnittenen Tälern sowie dem Fichtelgebirge, das mit dem Schneeberg eine Höhe von gut 1000 m ü. NN erreicht. Die unterschiedliche geologische Situation ist Grundlage einer reich gegliederten, äußerst reizvollen Naturlandschaft mit hohem Waldanteil und kleinbäuerlich gegliederten Dorf- und Feldfluren. Umringt ist Bayreuth von mehreren Naturparken, die alljährlich von vielen Wanderern und Kletter-Enthusiasten aufgesucht werden. Außerdem zählt die Umgebung von Bayreuth zu den Regionen mit der weltweit höchsten Dichte an Klein- und Privat-Bierbrauereien.

1975 wurde die Bayreuther Universität gegründet, die seit ihrem Bestehen unter anderem einen Schwerpunkt in den Ökologie- und Umweltwissenschaften aufweist. Überregionale Bedeutung erlangten verschiedene universitäre, interdisziplinäre Forschungseinrichtungen, wie das Bayreuther Institut für Terrestrische Ökosystemforschung (BITÖK, bis 2004) und das Bayreuther Zentrum für Ökologie und Umweltforschung (BayCEER, seit 2004). In den zahlreichen bundesdeutschen Hochschul-Rankings schneidet die Biologie an der Universität Bayreuth stets überdurchschnittlich gut ab, was mit hohen Leistungsstandards und einem günstigen Zahlenverhältnis zwischen den Lehrenden und Studierenden begründet ist. Mit Beginn des Wintersemesters 2008/09 wurde das Studienangebot in Biologie durch einen neuen Masterstudiengang "Biodiversität und Ökologie" erweitert. Daneben werden noch zwei weitere Masterstudiengänge in der Biologie angeboten: "Biochemie und Molekulare Biologie" sowie "Molekulare Ökologie" (www.biologie.uni-bayreuth.de/biologie/de).

Der Masterstudiengang Biodiversität und Ökologie (Biodiversity and Ecology) verfolgt das Ziel, Absolventen im Rahmen eines Vertiefungsstudiums von vier Semestern so auszubilden, dass sie sich weitgehend selbständig in eine Fragestellung aus der Forschung und/ oder Praxis einarbeiten sowie zur Bearbeitung geeignete wissenschaftliche Methoden herausfinden und anwenden können. Auf der Grundlage des Wissens über ökologische Zusammenhänge vermittelt der Studiengang ein Bild der Anzahl und Diversität der Organismen auf der Erde, ihrer Evolution und ihrer genetischen Variabilität. Er untersucht das Ausmaß der Interaktionen einzelner Organismen mit ihrer Umwelt, miteinander und mit benachbarten Organismen, und beschäftigt sich mit den Beiträgen verschiedener Organismentypen zum "Funktionieren" komplexer Gemeinschaften und Ökosysteme.

Um zu einem Verständnis der Biodiversität zu gelangen, sind Methoden zur Erforschung und Beurteilung der vorhandenen Artenausstattung unerlässlich. Daher stellen aktuelle Methoden zur Erfassung von Biodiversität, zur räumlichen Verteilung von Gesellschaften, zu biogeographischen Mustern auf unterschiedlichen Raum- und Zeitskalen und ihrer Variation die tragenden Teile des Masterstudiengangs dar. Er spielt eine wichtige Rolle innerhalb des Forschungsschwerpunktes "Ökologie und Umweltwissenschaften" an der Universität Bayreuth, der die Beziehungen und Rückkopplungen zwischen Ökosystemdynamik und der Struktur der Biodiversität untersucht. Zentrale Themen im Studiengang sind Veränderungen von Ökosystemen z.B. durch Invasion von Fremdarten und die Änderung von Verbreitungsarealen, der Erhalt der Biodiversität und ihre Wiederherstellung. Insbesondere wird untersucht, wie Biodiversität zur Struktur, Funktion und dem Nutzen von Ökosystemen beiträgt.

Feldarbeiten und biologische Exkursionen ins Ausland stellen eine weitere unentbehrliche Lerngrundlage für die Studierenden des M.Sc. dar. Dies wird unterstützt durch mehrere Hochschulpartnerschaften mit ausländischen Universitäten. Beispielsweise wurde kürzlich ein umfangreiches Studentenaustausch- und Stipendienprogramm mit der Kangwon National University in Chuncheon (Südkorea) gegründet (TERRECO). In der Fachgruppe Biologe besteht ferner eine enge Abstimmung mit dem M.Sc.-Studiengang "Molekulare Ökologie", mit dem gemeinsame Wahlpflichtmodule angeboten werden. In den Geowissenschaften an der Universität Bayreuth besteht in der Lehre eine enge Koordination mit den Masterstudiengängen Global Change Ecology (im Elitenetzwerk Bayern) und Geoökologie. Mit diesen Studiengängen werden ebenfalls gemeinsame Module angeboten.

Studienverlauf

Das viersemestrige, jeweils 30 Leistungspunkte (LP) pro Semester umfassende Studium ist folgendermaßen gegliedert:
In den beiden ersten Semestern sind sechs Fachmodule, davon vier Pflichtmodule sowie zwei Wahlmodule mit jeweils 5 LP aus einem Katalog der angebotenen Lehrveranstaltungen abzuleisten (siehe Modulhandbuch im Web). Während der vorlesungsfreien Zeit finden Geländearbeiten und Exkursionen statt (insgesamt 10 LP). Im dritten Semester ergänzen zwei Wahlpflichtmodule sowie zwei Pflichtmodule ("Schlüsselqualifikationen" und "Projektarbeit") den Fächerkanon (4 x 5 LP). Dabei soll die Projektarbeit in dem Fach bzw. an dem Lehrstuhl durchgeführt werden, in dem der Studierende im vierten und letzen Semester auch seine Masterarbeit (30 LP) anfertigt. Der M.Sc. "Biodiversität und Ökologie" stellt außerdem einen Zugang zur Weiterqualifizierung durch eine Promotion an der Universität Bayreuth dar.

Mögliche Berufsfelder

Kenntnisse, die die Absolventen des Masterstudiengangs erworben haben, eröffnen ihnen ein weites Spektrum beruflicher Möglichkeiten:

  • Forschung und Lehre an Universitäten, Fachhochschulen und öffentlichen Forschungsinstituten;
  • Planungs- und Umsetzungsaufgaben innerhalb staatlicher, nationaler und internationaler Behörden und Non-Governmental-Organisationen (NGOs), die mit der Umweltgesetzgebung befasst sind;
  • Beurteilung von Biodiversitätsfragen innerhalb laufender nationaler und internationaler Schutzprogramme;
  • Verbreitung von Umweltinformation in Presse und anderen Medien.

Zulassungsvoraussetzungen

Voraussetzung für die Aufnahme in den Masterstudiengang "Biodiversität und Ökologie" sind ein mit der Prüfungsnote gut (bis 2,5) absolvierter universitärer Bachelor-Studiengang in Biologie oder Geoökologie oder verwandter Studienfächer. Bewerber, die diese Qualifikation nicht besitzen, können jedoch im Rahmen eines persönlichen Eignungsfeststellungsverfahrens zugelassen werden. Das Studium kann sowohl im Winter- also auch im Sommersemester begonnen werden. Für die Bewerbung steht ein Formular als Web-Download zur Verfügung.

Dr. Pedro Gerstberger
Lehrstuhl für Pflanzenökologie
Universität Bayreuth
Universitätsstr. 30
95440 Bayreuth
gerstberger at uni-bayreuth.de
Weitere Informationen über das Konzept des Masterstudiengangs "Biodiversität und Ökologie", zur Studienordnung und das komplette Modulhandbuch finden sich auf den Webseiten: www.bayceer.uni-bayreuth.de/ecosys

 

Der Internationale M.Sc.-Studiengang Global Change Ecology an der Universität Bayreuth

Aus FORUM der Geoökologie 19 (3), 2008
Von Carl Beierkuhnlein, Stephanie Thomas und Volker Audorff, Bayreuth

Im Jahr 2006 wurde am ältesten Geoökologie-Standort Bayreuth der englischsprachige internationale Masterstudiengang Global Change Ecology (M.Sc.) (GCE) etabliert. Damit wurde an diesem Standort eine substanzielle Erweiterung des geowissenschaftlich-ökologischen Studienangebotes erzielt. Das umweltwissenschaftliche Profil der Universität Bayreuth kann damit weiter gestärkt werden. Der Studiengang steht Bachelorabsolventen der Geoökologie, aber auch benachbarter Disziplinen aus dem In- und Ausland offen. Er bietet eine zusätzliche Option zu den drei Vertiefungsrichtungen des Masterstudiengangs Geoökologie (Umweltmanagement, Umweltanalyse, Umweltschutz) im Hinblick auf die globale Perspektive und in Bezug auf eine verstärkte Einbeziehung sozio-ökonomischer, ethischer, politischer und rechtlicher Aspekte. Ziel ist die Ausbildung hochqualifizierter und motivierter Führungskräfte für Forschung, Administration und internationale Verbände sowie für die Politik- und Wirtschaftsberatung. Jahrgangsstärken von weniger als 20 Studierenden pro Jahr werden angestrebt und bislang eingehalten.

Globale Umweltveränderungen und die Analyse ihrer Ursachen und Folgen für Ökosysteme weltweit sowie ihre direkten und indirekten Folgen für die Menschen stehen im Fokus dieses "Elitestudienganges", der im Rahmen des "Elitenetzwerks Bayern" (ENB) finanziell gefördert wird. Aufgrund der sehr guten Personalausstattung durch diese Unterstützung bietet das Global Change Ecology-Studienprogramm eine enge fachliche und organisatorische Betreuung der Studierenden (Abb. 1). Über 20 Dozenten der Universitäten Augsburg, Bayreuth und Würzburg engagieren sich für die GCE-Studierenden. Hinzu kommen Gastdozenten aus renommierten Forschungsinstituten (Max-Planck-Institute und Helmholtz-Zentren, International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA), Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DLR)). Künftig werden auch renommierte Gastprofessoren aus dem Ausland zeitweise in Bayreuth unterrichten. Internationale Summer und Winter Schools ergänzen das Angebot als Pflichtmodule.

Großer Wert wird auf die fachliche Qualität der insgesamt zwölf Wochen Praktika bei leistungsstarken und auf den Globalen Wandel fokussierten Partnern im In- und Ausland gelegt. Diese werden direkt vermittelt und können als erste Option in Wirtschaft oder Forschung sowie als zweite Option in Verwaltung oder einer internationalen Organisation absolviert werden. Die Beispiele Münchener Rück, Auswärtiges Amt, IUCN, Nature, Helmholtzzentrum für Umweltforschung UFZ belegen, dass den Studierenden direkte Einblicke in mögliche zukünftige Berufsfelder und Arbeitsweisen eröffnet werden.

Die GCE-Studierenden bekommen Zugang zu internationalen und hochkarätig besetzten Konferenzen und Workshops und damit Einblick in den aktuellen Fachdiskurs. Nur eines von vielen Beispielen war die diesjährige 9. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (UN Convention on Biological Diversity) in Bonn, wo unsere Studierenden als "Observer" offiziell akkreditiert waren (Abb. 2). Damit bot sich eine großartige Gelegenheit, direkt der politischen Entscheidungsfindung auf internationaler Ebene beizuwohnen.

Steckbrief Global Change Ecology M.Sc.

Abschlussart: Master of Science
Studiendauer: 4 Semester
Studienort: Bayreuth
Zugangsvoraussetzungen: Bachelor (oder Master, Diplom) in einem umweltwissenschaftlichen oder verwandten Fach
Unterrichtssprache: Englisch
Bewerbungsfrist: 15. Juli, Start nur im Wintersemester
Von den Kandidaten werden Interesse an ökologischen und gesellschaftlichen Fragen, hervorragende naturwissenschaftliche Kenntnisse und die Fähigkeit zur Reflexion komplexer Zusammenhänge erwartet. Außerdem erfordert die Auseinandersetzung mit globalen Umweltproblemen neben natur-, umwelt- und gesellschaftswissenschaftlichen Fachkenntnissen transdisziplinäres Denken, Teamfähigkeit und Kreativität.

Zugangsvoraussetzungen

Die Qualifikation für das Masterstudium im Rahmen des Internationalen Elitestudiengangs Global Change Ecology (M.Sc.) besitzt, wer:
1. über die allgemeine Hochschulreife oder einschlägige fachgebundene Hochschulreife verfügt und
2. einen überdurchschnittlich guten Bachelorabschluss in Geoökologie, Biologie, Hydrologie, Meteorologie, Umweltphysik, Umweltinformatik, Landschaftsökologie, Geographie, Forst- und Agrarwissenschaften oder einen exzellenten Abschluss eines gleichwertigen Studiums nachweisen kann und
3. die Eignungsfeststellungsprüfung für den internationalen Elitestudiengang Global Change Ecology (M.Sc.) an der Universität Bayreuth erfolgreich absolviert.
Details zum Auswahlverfahren regelt die Eignungsfeststellungssatzung, die Interessierte unter www.global-change-ecology.de einsehen können.

Studienablauf und Inhalte

Die Studieninhalte im Studiengang Global Change Ecology sind in thematischen Modulgruppen organisiert. Der quantitative Schwerpunkt der Kurse liegt in diesem naturwissenschaftlichen Masterstudiengang verständlicherweise auf den Modulgruppen "Global Change" und "Ecology". Allerdings erscheint gerade die Integration der gesellschaftlichen Aspekte bei der Thematik des Globalen Wandels unabdingbar (Abb. 3).

Die Unterrichtsformen sind sehr vielfältig. So werden Lerninhalte neben den klassischen Vorlesungen durch multimediale und interdisziplinäre Vorlesungen ergänzt. Modellierungsübungen, Diskussionsgruppen, E-Seminare, Geländeübungen und Praktika, Internationale Workshops (Sommer- und Winterschule), Lernen in Kleingruppen, aber auch Einzelgespräche werden angeboten. Regelmäßig bietet ein "Jour fixe" die Gelegenheit zum Austausch mit den Organisatoren und mit Dozenten.

Studieninhalte und Studienablauf des Masterprogramms Global Change Ecology
1. Semester (WS)
A1 Driving Forces of Global Change Einführung in die Thematik
Vermittlung von naturwissenschaftlichem Grundlagenwissen
Theorien und Methoden
A2 Global Climate Changes
A3 Regional Changes in Aquatic and Terrestrial Ecosystems
B1 Ecosystem Variability and Change
B2 Spatial Modelling in Ecology
C1 Resource Management
2. Semester (SS)
A4 Ecosystem Research and Experiments Methodologische Vertiefung und Erfahrung mit ökologischer Geländearbeit in Experimenten
Interdisziplinäre Teamarbeit
Eigenständige Beiträge und Leistungen der Studierenden
Entwicklung einer eigenen Position auf der Grundlage des Standes der Forschung
A5 Extreme Events and Natural Hazards
B3 Life on Earth
B4 Biogeochemical Fluxes
B5 Biodiversity and Ecosystem Functioning
ABC1 International Summer School
3. Semester (WS)
C2 Ecological Services Übertragung des Wissens in die Praxis
Internationaler Austausch
Kommunikation mit Studierenden anderer Länder
Erfahrungen an außeruniversitären Einrichtungen
C3 Laws and Regulations
ABC2 International Winter School
ABC3 Internship in Economy or Science
ABC4 Internship in Administration or International Organisation (e.g. NGO, UN)
ABC5 Coordination and Communication
4. Semester (SS): Master Thesis
Übertragung der erworbenen Kenntnisse auf eine aktuelle Umweltfragestellung. Auseinandersetzung mit globalen Problemfeldern. Durchführung einer Analyse komplexer Zusammenhänge im Rahmen eines transdisziplinären Ansatzes. Einsatz moderner Methoden und Ansätze (z.B. Remote Sensing, Ecological Modelling, Experimental Ecosystem Manipulation, Nutzung großer Datenbanken, Verknüpfung verschiedener Datenquellen).

Weitere Informationen:
www.global-change-ecology.de
Sprecher des Studienganges: Prof. Dr. Carl Beierkuhnlein, Lehrstuhl Biogeografie
Koordination: Volker Audorff, Stephanie Thomas
gce at uni-bayreuth.de
Universitätsstr. 30
95440 Bayreuth
Tel.: 0921/552364

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Letzte Änderung: 23.09.2010