Masterstudiengang Umweltwissenschaften an der Universität Frankfurt/Main

Aus FORUM der Geoökologie 24 (3), 2013
Von Prof. Dr. Wilhelm Püttmann und Anastasia Swonkow, Frankfurt

An der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main haben die Umweltwissenschaften eine lange Tradition. In der Lehre wurden jedoch umweltrelevante Fragestellungen bis 2009 vorwiegend fachbereichsbezogen dargestellt. Eine rein disziplinäre Herangehensweise an die Erkundung der Prozesse in unserer Umwelt wird der Tatsache nicht gerecht, dass viele umweltrelevante Prozesse an der Schnittstelle von mindestens zwei der vier Kompartimente Biosphäre, Geosphäre, Hydrosphäre und Atmosphäre angesiedelt sind. Zudem haben die letzten Jahrzehnte deutlich gemacht, dass der immer stärker werdende Eingriff des Menschen in unsere Umwelt zu einer massiven Veränderung der Stoffkreisläufe mit zum Teil noch unbekannten Folgen führt. Dies hat zur Einbeziehung eines weiteren Kompartiments (der Anthroposphäre) in die Betrachtung umweltrelevanter Prozesse geführt. Vor diesem Hintergrund ist im Jahr 2008 an der Goethe-Universität der Masterstudiengang "Umweltwissenschaften" unter Beteiligung der vier Fachbereiche Biowissenschaften, Geowissenschaften/Geographie, Biochemie/Chemie/Pharmazie und Gesellschaftswissenschaften ins Leben gerufen und im Mai 2009 erfolgreich akkreditiert worden (vgl. Abbildung).

Ausbildungsziel

Die Folgen des immer stärker werdenden Eingriffs des Menschen in die Umwelt stellen eine große Herausforderung an Wissenschaft und Gesellschaft dar. Beispiele sind der globale Klimawandel, der voranschreitende Ressourcenverbrauch sowie der Eintrag von Fremdstoffen in die Umwelt. Um diesen Veränderungen effektiv begegnen zu können, ist es notwendig, die Vorgänge und die komplexen Wechselwirkungen in den verschiedenen Umwelt-Kompartimenten zu verstehen und darüber hinaus die gesellschaftswissenschaftlichen Aspekte der globalen Umweltveränderungen zu berücksichtigen. Aspekte wie Konsumverhalten und Nachhaltigkeit stehen dabei im Vordergrund. Studierende lernen zwischen natürlichen und anthropogen bedingten Veränderungen in unserer Umwelt zu differenzieren und diese nach Möglichkeit auch zu quantifizieren. Das Masterstudium soll den Studierenden die dafür erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten vermitteln, sie zu selbstständigem Denken anleiten sowie zu verantwortlichem Handeln führen. Der inter- und zugleich transdisziplinäre Studiengang bietet eine gleichermaßen auf Forschung und Anwendung ausgerichtete Orientierung.

Struktur des Studiengangs

Die Regelstudienzeit umfasst vier Semester. Im Teilzeitstudium darf sich die Studienzeit gegenüber der Regelstudienzeit maximal verdoppeln. Das Masterstudium sollte bevorzugt im Wintersemester begonnen werden, da dann die meisten Basiskomponenten angeboten werden. Diese umfassen die Fächer Biologie, Chemie, Statistik, Meteorologie und Klimatologie (Abb. 2). Sie können je nach Vorkenntnissen aus dem Bachelorstudium anerkannt werden. Die nicht anerkannten Bestandteile der Basiskomponenten sind dann Pflichtveranstaltungen. Weiterhin dienen die Veranstaltungen "Einführung in die Umweltwissenschaften" und "Einführung in die soziale Ökologie" dazu, einen Überblick über das gesamte Angebot in den Schwerpunktfächern zu schaffen und die Schwerpunktwahl zu erleichtern. Die folgenden sechs Schwerpunktfächer stehen zur Auswahl: Biologie/Ökologie, Atmosphärenwissenschaften, Hydrologie/Bodenkunde, Stoffkreisläufe/Stoffflüsse, Umweltchemie und soziale Ökologie. Aus diesem Angebot müssen mindestens zwei und dürfen maximal drei Schwerpunkfächer für das weitere Studium ausgewählt werden. Die Module aus den Schwerpunktfächern werden bevorzugt im 2. und 3. Semester belegt. Das 4. Semester dient zur Anfertigung der Masterarbeit. Sie basiert auf einem zuvor entwickelten Forschungsprojekt, dessen Thematik nach Möglichkeit an der Schnittstelle zwischen zwei der gewählten Schwerpunktfächer angesiedelt sein sollte. Alle Vorlesungen und Übungen werdend auf Deutsch gehalten.

Profil des Masters

Der Masterstudiengang "Umweltwissenschaften" führt Bachelor-AbsolventInnen aus unterschiedlichen naturwissenschaftlichen Bereichen zusammen. Dadurch wird ein Wissensaustausch zwischen den Studierenden aus den verschiedenen naturwissenschaftlichen Fächern geschaffen und die Interdisziplinarität des Studiengangs gewährleistet. Durch die Einbeziehung gesellschaftswissenschaftlicher Aspekte und insbesondere der Pflichtveranstaltung "Soziale Ökologie" erhält der Studiengang zudem eine transdisziplinäre Komponente.

Gute Berufsaussichten

Der erfolgreiche Abschluss des Masterstudiengangs soll die Studierenden auf anspruchsvolle Tätigkeiten in den Bereichen Wirtschaft und Verwaltung, Wissenschaft, Forschung und Lehre vorbereiten. Die Studierenden sind nach Beendigung des Studiums in der Lage, sich schnell mit neuen Entwicklungen vertraut zu machen und sich in kurzer Zeit in neue Gebiete einzuarbeiten. AbsolventInnen des Masterstudiengangs "Umweltwissenschaften" sollen kreativ zur weiteren Entwicklungen ihres jeweiligen Fachgebiets beitragen können.

Potenzielle Tätigkeitsfelder für AbsolventInnen des Masterstudiengangs liegen beispielsweise bei den Umweltämtern auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene, den biologischen Bundes- und Landesanstalten, den Wasserbehörden sowie bei Untersuchungs- und Aufsichtsbehörden. Ein weiteres Arbeitsfeld sind staatliche und private Laboratorien (z.B. Umwelt-, Wasser- und Lebensmittelanalytik). Im industriellen Bereich bieten sich unter anderem Tätigkeiten als Umweltbeauftragte sowie in den Bereichen Entsorgung, Chemikalienregistrierung und Forensik an. Potenzielle Arbeitgeber sind außerdem Ingenieur- und Consultingbüros, die auf dem Gebiet der Altsanierung, des Flächenrecyclings und der Umweltberatung tätig sind. Eine Tätigkeit als freiberufliche UmweltwissenschaftlerIn ist ebenfalls möglich. Nicht zuletzt haben sich bisher etwa 30% unserer AbsolventInnen für ein anschließendes Promotionsstudium entschieden.

Voraussetzungen und Bewerbung

Zugangsvoraussetzung zur Aufnahme des Masterstudiums "Umweltwissenschaften" ist ein abgeschlossenes Bachelorstudium in den Bereichen Biowissenschaften, Chemie, Geowissenschaften, Geographie, Geoökologie, Meteorologie, Physik oder in einem anderen Studiengang mit Bezug zu den Umweltwissenschaften. Auch ein Staatsexamen in einem naturwissenschaftlichen Studiengang wird als Zugangsvoraussetzung anerkannt. Der Masterstudiengang nimmt jährlich ca. 30 Studierende auf.

Interessierte Studierende bewerben sich über das zentrale Online-Portal uni-assist

Weitere Informationen:

Uni Frankfurt

Prof. Dr. Wilhelm Püttmann
Fachstudienberatung und Vorsitzender des Prüfungsausschusses

Institut für Atmosphäre und Umwelt
Altenhöferallee 1 D- 60438 Frankfurt am Main
Telefon: 069/79840225
E-Mail: Prof. Dr. Wilhelm Püttmann

zurück

Letzte Änderung: 02.01.2014